Offene Forschungsinformationen

Offene Forschungsinformationen sind frei zugängliche und nachnutzbare Metadaten über Forschungsaktivitäten und -ergebnisse, wie Beschreibungen von Projekten, Organisationen, Forscher:innen, Publikationen, Daten, Software oder Veranstaltungen.

Von Forschungsinformationen zu offenen Forschungsinformationen

In der Forschung werden riesige Mengen an Informationen produziert und genutzt, beispielsweise in Prozessen des Publizierens oder im Forschungsmanagement. Diese Forschungsinformationen, wie beispielsweise bibliografische Metadaten oder Informationen über Organisationen und Fördermittel, spielen eine entscheidende Rolle bei der Bewertung von Forscher:innen und Institutionen, bei der Verteilung von Ressourcen im akademischen Bereich und auch für die Auffindbarkeit wissenschaftlicher Ergebnisse. Jedoch ist ein großer Teil der Forschungsinformationen nicht frei zugänglich, sondern befindet sich hinter Bezahlschranken in proprietären Infrastrukturen und Diensten kommerzieller Unternehmen oder in anderen unzugänglichen Datensilos. Im Gegensatz dazu sind offene Forschungsinformation frei zugänglich und können kostenlos genutzt und nachgenutzt werden.

Geschlossene Forschungsinformationen versus offene Forschungsinformationen (Quelle: Barcelona Declaration on Open Research Information, lizenziert unter CC BY 4.0 International)

Offene Forschungsinformationen in der Forschungsbewertung

Derzeit besteht eine Diskrepanz zwischen dem Bestreben nach offener Wissenschaft und den geschlossenen Systemen, die zu ihrer Bewertung verwendet werden: Die wissenschaftliche Gemeinschaft stützt sich bei der Forschungsbewertung stark auf geschlossene Infrastrukturen und intransparente Evidenz. Open Science wird häufig auf Basis von nicht-offenen Daten überprüft und gefördert, wodurch die Verzerrungen und Intransparenzen dieser Daten reproduziert werden. Da Forschungsinformationen jedoch für strategische Entscheidungen, die Verteilung von Ressourcen, die Forschungsbewertung und in der Personalrekrutierung unverzichtbar und von entscheidender Bedeutung sind – kurz gesagt, für eine gerechte und transparente Forschungsbewertung unerlässlich –, ist die Offenheit solcher Informationen von entscheidender Relevanz. Offene Forschungsinformationen sind daher ein weiterer wichtiger Baustein von Open Science und für die Reform der Forschungsbewertung sowie für die akademische Souveränität.

Barcelona Declaration on Open Research Information

Die im April 2024 veröffentlichte Barcelona-Erklärung zu offenen Forschungsinformationen hat zum Ziel, offene Forschungsinformationen zur Norm zu machen. Mit der Zeichnung der Erklärung verpflichten sich Institutionen, dabei eine führende Rolle zu übernehmen und zu diesem Zweck

  1. die Offenheit von Forschungsinformationen zum Standard zu machen,
  2. mit Diensten und Systemen zu arbeiten, die offene Forschungsinformationen unterstützen und ermöglichen,
  3. die Nachhaltigkeit von Infrastrukturen für offene Forschungsinformationen zu unterstützen und
  4. zusammenzuarbeiten, um den Übergang von geschlossenen zu offenen Forschungsinformationen zu realisieren.
To advance responsible research assessment and open science and to promote unbiased high-quality decision making, openness of research information must be the new norm.
Barcelona Declaration on Open Research Information

Zahlreiche Forschungseinrichtungen und Forschunsförderinstitutionen haben die Barcelona Declaration gezeichnet. Sie wird zudem unterstützt von zahlreichen Organisationen, die Daten, Dienste und Infrastruktur bereitstellen. In einer Roadmap wurden konkrete Maßnahmen formuliert, die von zeichnenden, unterstützenden und weiteren Institutionen und Organisationen – einer Koalition für offene Forschungsinformationen – in verschiedenen Arbeitsgruppen bearbeitet und umgesetzt werden. Das Helmholtz Open Science Office arbeitet in mehreren dieser Arbeitsgruppen mit.

Die Ziele der Barcelona Declaration stehen im Einklang mit der San Francisco Declaration on Research Assessment (DORA) und der Coalition for Advancing Research Assessment (CoARA) sowie zahlreichen anderen Initiativen für offene Wissenschaft und offene Forschungsinfrastrukturen.

Netzwerk zur Barcelona Declaration im deutschsprachigen Raum

Ergänzend zu den Aktivitäten der Barcelona Declaration haben sich nationale Netzwerke für den Austausch auf lokaler Ebene etabliert. Für den deutschsprachigen Raum (DACH – Deutschland, Österreich, Schweiz) besteht ein solches (tri-)nationales Netzwerk, das aktuell durch das Helmholtz Open Science Office koordiniert wird.

Das Netzwerk und deren Austauschtreffen stehen Einrichtungen und Organisationen aus dem deutschsprachigen Raum offen. Eine Zeichnung der Barcelona Declaration ist dabei explizit keine Voraussetzung. Interessierte sind gebeten die Mailingliste des Netzwerks zu abonnieren und können sich bei Nachfragen an uns wenden (siehe unten).

Ansprechperson im Helmholtz Open Science Office

Marc Lange

Referent Helmholtz Open Science Office