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Die Ausgaben 1-45 des Newsletters finden Sie im Archiv.

Helmholtz Open Access Newsletter vom 22.10.2013

Liebe Kolleginnen und Kollegen,

dies ist der 46. Helmholtz Open Access Newsletter, herausgegeben vom Helmholtz Open Access Koordinationsbüro, mit einer Sonderausgabe zur internationalen Open Access Week 2013.

Sie finden den aktuellen Newsletter und das Archiv auf der Website des Helmholtz Open Access Koordinationsbüros.

Wir freuen uns, wenn Sie diesen Newsletter an Interessierte weiterleiten.

Sonderausgabe zur Open Access Week 2013

Anlässlich der internationalen Open Access Week vom 21. bis 27. Oktober 2013 und dem 10. Jahrestag der Unterzeichnung der „Berliner Erklärung über den offenen Zugang zu wissenschaftlichen Wissen“ am 22. Oktober 2003 erscheint diese Sonderausgabe des Helmholtz Open Access Newsletters. Stellvertretend für die vielfältigen Aktivitäten der Helmholtz-Zentren zur Open Access Week weisen wir auf die umfassende Initiative des Deutschen Zentrums für Luft- und Raumfahrt (DLR) für Open Access und Open Science hin.

 

Helmholtz-Gemeinschaft verankert Open-Access-Richtlinie

Der offene Zugang zu wissenschaftlichen Publikationen fördert Innovation. Eine Open-Access-Richtlinie der Helmholtz-Gemeinschaft sorgt jetzt dafür, dass Publikationen, die in geförderten Projekten entstehen, über das Internet für die Öffentlichkeit frei zugänglich gemacht werden.

Noch immer werden viele Forschungsergebnisse in kostenpflichtigen Zeitschriftenportalen versteckt. Open Access ändert dies. Forschende machen ihre Veröffentlichungen über das Internet frei zugänglich. Dadurch wird der Transfer der Ergebnisse in Wissenschaft, Wirtschaft und Gesellschaft erleichtert.

Bereits vor zehn Jahren, am 22. Oktober 2003, haben führende Wissenschaftsorganisationen, darunter auch die Helmholtz-Gemeinschaft, in der „Berliner Erklärung über den offenen Zugang zu wissenschaftlichen Wissen“ die Vision einer offenen Wissenschaftskommunikation skizziert: Publikationen, Forschungsdaten und andere digitale Objekte sollten vernetzt und barrierefrei im Web gespeichert werden. Seitdem ist viel passiert.

Heute werden bereits etwa 30 Prozent der Publikationen, die an den Helmholtz-Zentren pro Jahr entstehen, über Repositorien (Volltext-Datenbanken) frei zugänglich gemacht. Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler der Helmholtz-Gemeinschaft engagieren sich als Herausgeber für renommierte Open-Access-Zeitschriften und gestalten den Wandel des wissenschaftlichen Publikationssystems zu Open Access aktiv mit. In den Naturwissenschaften hat sich Open Access bereits zu einem Standard entwickelt. Nach Vorstellung der Europäischen Kommission sollen bis 2016 60 Prozent der Publikationen, die im Rahmen der öffentlichen Forschung in Europa entstehen, kostenfrei im Netz zugänglich sein.

Anlässlich der aktuell stattfindenden internationalen Aktionswoche „Open Access Week“ gibt die Helmholtz-Gemeinschaft ihre neue Open-Access-Richtlinie bekannt. Von Mittelempfängern des „Impuls- und Vernetzungsfonds“ der Helmholtz-Gemeinschaft wird künftig erwartet, dass sie Veröffentlichungen, die in geförderten Projekten entstehen, frei zugänglich machen. Der Impuls- und Vernetzungsfonds ist eines der zentralen finanziellen Förderinstrumente der Helmholtz-Gemeinschaft.

Die Open-Access-Richtlinie orientiert sich an der entsprechenden Regelung des Forschungsrahmenprogrammes der Europäischen Union. Publikationen sollen in Open-Access-Zeitschriften direkt mit ihrem Erscheinen oder über Repositorien spätestens sechs bzw. zwölf Monate (Naturwissenschaften bzw. Geistes- und Sozialwissenschaften) nach Erscheinen frei zugänglich sein. Die freie Wahl eines qualitätsgesicherten Publikationsorgans, das dem Forschungsergebnis größtmögliche Aufmerksamkeit verschafft, ist davon nicht berührt. Die Autorinnen und Autoren werden durch die Helmholtz-Bibliotheken bei der Umsetzung der Richtlinie unterstützt.

Die Helmholtz-Gemeinschaft war 2004 die erste wissenschaftliche Einrichtung in Deutschland, die eine Empfehlung zu Open Access verabschiedet hat. Seit 2005 unterstützt das Helmholtz Open Access Koordinationsbüro die Zentren bei der Umsetzung von Open Access.

Ein Merkblatt informiert über die Richtlinie und die Umsetzungsoptionen.

Zweitverwertungsrecht wird Gesetz

Der Bundesrat hat im September 2013 die Einführung eines Zweitverwertungsrechts für wissenschaftliche Autorinnen und Autoren beschlossen. Zukünftig hat „[d]er Urheber eines wissenschaftlichen Beitrags, der im Rahmen einer mindestens zur Hälfte mit öffentlichen Mitteln geförderten Forschungstätigkeit entstanden und in einer periodisch mindestens zweimal jährlich erscheinenden Sammlung erschienen ist, [..] auch dann, wenn er dem Verleger oder Herausgeber ein ausschließliches Nutzungsrecht eingeräumt hat, das Recht, den Beitrag nach Ablauf von zwölf Monaten seit der Erstveröffentlichung in der akzeptierten Manuskriptversion öffentlich zugänglich zu machen, soweit dies keinem gewerblichen Zweck dient. Die Quelle der Erstveröffentlichung ist anzugeben. Eine zum Nachteil des Urhebers abweichende Vereinbarung ist unwirksam.“ (BGBl. I, Nr. 59, 08.10.2013)

Bis zuletzt gab es in der Wissenschaft deutliche Kritik an dem Gesetz. Das Aktionsbündnis „Urheberrecht für Bildung und Wissenschaft“ hatte sogar eine Ablehnung des Gesetzes gefordert. Kritisiert wurde der enge Anwendungsbereich des jetzt verabschiedeten Zweitverwertungsrechts. So fokussiert das Gesetz nur Publikationen, die im Rahmen der außeruniversitären und der drittmittelgeförderten Forschung entstehen. Diese Einschränkung wurde auch von den Wissenschaftsorganisationen kritisiert. Darüber hinaus geht die Embargofrist von zwölf Monaten an den Bedürfnissen der MINT-Fächer vorbei. Weiter sind Artikel in Sammelwerken, die nicht zweimal jährlich erscheinen, ausgeschlossen. Darüber hinaus darf nur die Manuskriptversion eines Artikels auf dem Repositorium veröffentlicht werden.

Bei aller Kritik ist das Gesetz ein Schritt in die richtige Richtung. Dennoch sollten die Arbeiten an einem wissenschaftsfreundlichen Urheberrecht in der kommenden Legislaturperiode rasch intensiviert werden. Dieses Anliegen verfolgen auch die Länder. In einer Pressemitteilung des Bundesrats zur Billigung des Gesetzes heißt es dazu: „Der Bundesrat macht in einer begleitenden Entschließung jedoch zugleich deutlich, dass die von ihm in den vergangenen Jahren formulierten Anforderungen an ein wissenschaftsadäquates Urheberrecht noch nicht vollständig aufgegriffen wurden. Er erwartet daher unter anderem, dass die neue Bundesregierung umgehend nachhaltige Regelungen für die Nutzung urheberrechtlich geschützter Werke im Intranet von Schulen, Hochschulen und Forschungseinrichtungen erarbeitet.“

 

Rückblick: Open-Access-Tage 2013

Die siebte Ausgabe der Open-Access-Tage fand am 1. und 2. Oktober 2013 in der Staats- und Universitätsbibliothek Hamburg statt, die die Fachtagung gemeinsam mit der Deutschen Zentralbibliothek für Wirtschaftswissenschaften (ZBW) veranstaltete. Wie in den Vorjahren bot die Tagung ein Forum für Diskussionen und Kontakte rund um das Thema Open Access. Mehr als 200 Teilnehmerinnen und Teilnehmer aus Wissenschaft, Bibliotheken und Verlagen diskutierten über aktuelle Entwicklungen.

Einer der Schwerpunkte war in diesem Jahr ein Blick auf Open Access in den europäischen Nachbarländern Großbritannien, Frankreich und den Niederlanden. Frank Scholze von der Bibliothek des Karlsruher Instituts für Technologie (KIT) gab zusätzlich einen interessanten Einblick in die Arbeit von SPARC Europe (Video). Zu weiteren Themen gehörten u. a. die vom Helmholtz Open Access Koordinationsbüro moderierten Sessions „Umgang mit Forschungsdaten“ und „Rechtliche Aspekte des Open Access“.

Am zweiten Tag widmete sich Dr. Bernhard Mittermaier von der Bibliothek des Forschungszentrums Jülich (FZJ) in seinem Referat den ökonomischen Auswirkungen von Open Access als „disruptiver Technologie“ (Video). Spannend war auch der Vortrag von Prof. Dr. Gerd Grasshoff von der FU Berlin über die Erfahrungen eines geisteswissenschaftlichen Exzellenzclusters mit Open Access zu Monographien. Den Abschluss der Veranstaltung bildete eine Podiumsdiskussion, zu der Prof. Dr. Antje Boetius vom Alfred-Wegner-Institut Helmholtz-Zentrum für Polar- und Meeresforschung (AWI) als Naturwissenschaftlerin ihre Sicht auf Open Access beisteuerte (Video). Alle Vortragsfolien der Tagung stehen zum Download zur Verfügung.

 

Science-Artikel zu Peer Review und Open Access

Der jüngst in Science veröffentlichte „Wespenstich“ von Bohannon zum Thema Qualitätssicherung und Open Access hat einige Diskussionen ausgelöst. Bohannon hat ein fingiertes Manuskript bei 304 Open-Access-Zeitschriften eingereicht. 157 der Journale haben diesen recht offensichtlich gefälschten Artikel angenommen. 98 Zeitschriften haben das Paper abgelehnt. Von den verbleibenden 49 Zeitschriften kam entweder keine Antwort oder die Manuskriptprüfung wurde bis zum Ende des Untersuchungszeitraumes nicht abgeschlossen. Von den 304 ausgewählten Zeitschriften sind 167 im Directory of Open Access Journals (DOAJ) und 121 in der Liste der „Predatory Scholarly Open-Access Publishers“ von Jeffrey Beall aufgeführt. Die Aktion von Bohannon macht deutlich, dass es durchaus ein Problem mit unseriösen Verlagen gibt. Häufig stammen diese aus Schwellenländern, versenden Massenmails an potenzielle Autorinnen und Autoren und versuchen sich über das Geschäftsmodell der Publikationsgebühren am Open-Access-Markt zu beteiligen.

Der Test von Bohannon zeigt jedoch nicht, dass Open Access als Publikationsmodell ein Qualitätsproblem hat. Da das Paper bei 121 Zeitschriften eingereicht wurde, die sich auf der Beall-Liste befinden, überrascht das Ergebnis nicht. Insbesondere zeigt der Versuch nicht, dass die Qualitätssicherung bei Closed-Access-Zeitschriften besser funktioniert, da Bohannon seinen Test auf Open-Access-Zeitschriften beschränkt hat. Diese methodischen Probleme (fehlende Kontrollgruppe und systematischer Fehler in der Auswahl der Journals) wurden bereits vielfach kritisiert. Während Verlage wie PLOS oder Hindawi das fingierte Manuskript abgelehnt haben, wurde das Paper von Zeitschriften etablierter Verlage wie Elsevier und Wolters Kluwer angenommen. Dies zeigt, dass es falsch wäre, aus dem Test den pauschalen Schluss zu ziehen, dass Open-Access-Verlage minderwertig seien.

Dass es einige zwielichtige Verlage gibt, die sich auf das Geschäftsmodell der Publikationsgebühr stützen, ist sehr ärgerlich, aber auch längst bekannt. Zeitschriften, die inadäquat Artikel veröffentlichen, gewinnen kein Renommee und werden sich längerfristig nicht etablieren können. Autorinnen und Autoren sollten ihre Publikationsorgane immer mit Bedacht auswählen. Besondere Bedeutung im Hinblick auf jüngere Wissenschaftler ist dabei der Empfehlung 4 der Empfehlungen der Deutschen Forschungsgemeinschaft zur Sicherung guter wissenschaftlicher Praxis zuzumessen: der oder die Betreuer werden die Auswahl des Publikationsorgans verantwortlich begleiten. Auch Bibliotheken vor Ort unterstützen Autoren gern mit entsprechendem Hintergrundwissen. Anliegen sollte es immer sein, ein Forschungsergebnis in einem Journal zu veröffentlichen, das dem jeweiligen Forschungsergebnis die optimale Öffentlichkeit garantiert. Wird dieser Grundsatz beachtet, ist die Wahrscheinlichkeit sehr gering, dass eine Publikation bei einem der „Predatory Scholarly Open-Access Publishers“ eingereicht wird. Wichtig ist zudem, dass das Open-Access-Publizieren neue Formen der Qualitätssicherung, z. B. Open Peer Review ermöglicht. Diese können dazu beitragen, den beschriebenen Missbrauch bzw. Defizite in der Qualitätssicherung einzuschränken.

 

Helmholtz Open Science Briefing

Am 14. Oktober hat das Helmholtz Open Access Koordinationsbüro die erste Ausgabe seiner neuen Reihe „Helmholtz Open Science Briefing“ veröffentlicht. In dieser Reihe werden in unregelmäßigen Abständen Erläuterungen oder Stellungnahmen zu jeweils einem Thema erscheinen. Die erste Ausgabe ist dem Thema „Rechtliche Aspekte von Text und Data Mining“ gewidmet.

Impressum

Der Helmholtz Open Access Newsletter wird vom Helmholtz Open Access Koordinationsbüro herausgegeben.

Redaktion: Dr. Christoph Bruch, Heinz Pampel und Dr. Paul Schultze-Motel

Kontakt: open-access@helmholtz.de

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URL dieser Newsletter-Ausgabe: http://oa.helmholtz.de/bewusstsein-schaerfen/newsletter/archiv/newsletter-46-vom-22102013.html

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