Forschungssoftware

Mit der voranschreitenden Digitalisierung von Forschung und Lehre steigt die Zahl an Software-Lösungen, die an wissenschaftlichen Einrichtungen entstehen und zur wissenschaftlichen Erkenntnisgewinnung genutzt werden. Die unter dem Stichwort Open Science geforderte Zugänglichkeit und Nachnutzung von wissenschaftlichen Ergebnissen kann in vielen Fachgebieten nur sichergestellt werden, wenn neben den Forschungsdaten auch der Programmcode offen zugänglich gemacht wird.

Infrastrukturen sind das technologische Fundament für die kollaborative sowie organisationsübergreifende Softwareentwicklung (z. B. GitHub, GitLab, Jupyter). Die Verwendung von möglichst offenen und standardisierten Lizenzen (siehe z. B. Auflistung verschiedener Lizenzen der Free Software Foundation oder Empfehlungen des Software Sustainability Institute) kann sowohl die Nutzung der Software als auch die Nachnutzung beziehungsweise Weiterentwicklung des Programmcodes ermöglichen. Dabei sollte Forschungssoftware als eigener Publikationstyp anerkannt werden. Der Zugang zu und die Nachnutzung von Forschungssoftware können durch die Würdigung der hinter Softwareentwicklung stehenden Leistung gefördert werden. Dafür ist die Etablierung von Publikations- und Zitationsstrategien in der Wissenschaftspraxis wichtig. Für die zukünftige Gestaltung des Umgangs mit Forschungssoftware sind vielfältige Lehr- und Lernformate (z. B. duale Studiengänge) sowie Aus- und Weiterbildungsangebote (z. B. Software-Carpentry-Kurse oder Codecademy) ausschlaggebend. Zwar steigt die Wahrnehmung der Bedeutung von Software in der wissenschaftlichen Praxis (wie z. B. der Report Scholarly infrastructures for research software der EU Kommission bzw. des EOSC Executive Board verdeutlicht), allerdings herrscht in vielen Bereichen (siehe z. B. Anzt et al., 2021) und auch übergreifend mit Blick auf Anreize (siehe z. B. Druskat et al., 2021) noch Diskussions- und Handlungsbedarf.

An den Helmholtz-Zentren gibt es bereits seit einigen Jahren vielfältige Initiativen im Themenfeld Forschungssoftware. Die Task Group Forschungssoftware des Arbeitskreises Open Science in der Helmholtz-Gemeinschaft widmet sich seit dem Jahr 2016 der Zugänglichkeit und Nachnutzung von Forschungssoftware im Kontext von Open Science. Der Arbeitskreis Open Science der Helmholtz-Gemeinschaft hat im März 2017 ein Positionspapier zu diesem Thema verabschiedet und im November 2017 Empfehlungen für die Helmholtz-Zentren veröffentlicht. Die Task Group hat zudem eine Muster-Richtlinie für den nachhaltigen Umgang mit Forschungssoftware an den Helmholtz-Zentren erarbeitet, die vom Arbeitskreis Open Science im November 2019 verabschiedet wurde.

Mit dem Start des Software Services Cluster der Plattform Helmholtz Federated IT Services (HIFIS) im Rahmen des Helmholtz-Inkubators Information and Data Science im Jahr 2019 wird das Ziel verfolgt eine leistungsfähige IT-Serviceplattform zu schaffen, die Wissen aus allen Helmholtz-Zentren verbindet. Sowohl der Arbeitskreis als auch die HIFIS-Plattform widmen sich dem nachhaltigen Umgang von Forschungssoftware in der Helmholtz-Gemeinschaft, was eine hohe personelle Überschneidung der Akteure dokumentiert. Um das Thema in Helmholtz weiter koordiniert voranzutreiben, bilden die Task Group Forschungssoftware und die Software Services Plattform von HIFIS seit 2020 das Forum Forschungssoftware in der Helmholtz-Gemeinschaft. Aktuell initiiert das Forum einen Helmholtz-weiten Prozess zur Unterstützung der weiteren Implementierung von Policies für Forschungssoftware.

Um das Thema Forschungssoftware über die Grenzen der Helmholtz-Gemeinschaft hinweg voranzutreiben wurde die Ad-hoc-AG „Wissenschaftliche Software“ der Schwerpunktinitiative „Digitale Information“ der Allianz der deutschen Wissenschaftsorganisationen ins Leben gerufen und hat die „Handreichung zum Umgang mit Forschungssoftware“ erarbeitet. Die Befassung mit dem Thema wird im Handlungsfeld „Digitale Werkzeuge – Software und Dienste“ der Schwerpunktinitiative fortgeführt.