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Helmholtz Open Science Newsletter vom 05.04.2019

Liebe Kolleginnen und Kollegen,

dies ist der 73. Helmholtz Open Science Newsletter, herausgegeben vom Helmholtz Open Science Koordinationsbüro. In diesem Newsletter geben wir Ihnen einen Überblick über die wichtigsten Entwicklungen zum Thema Open Science.

Sie finden den aktuellen Newsletter und das Archiv auf der Website des Helmholtz Open Science Koordinationsbüros.

Wir freuen uns, wenn Sie diesen Newsletter an Interessierte weiterleiten.

Editorial

Der Frühling liegt in der Luft und mit ihm ganz viel Neues und Spannendes in der Open-Science-Welt. Natürlich beschäftigt auch uns die EU-Urheberrechtsreform und was diese Neuerungen für die Wissenschaftslandschaft bedeuten werden. Erste Überlegungen, welche Konsequenzen dies zum Beispiel für europäische Repositorien haben könnte, finden Sie unten.

Neues gibt es auch in den eigenen Reihen. So veröffentlichte die Task Group „Zugang zu und Nachnutzung von wissenschaftlicher Software“ des Helmholtz-Arbeitskreises Open Science kürzlich ein Papier mit Empfehlungen zum Thema. Außerdem weisen wir auf die WissKom2019 hin, zu der das Forschungszentrum Jülich einlädt und freuen uns über die Präsenz des KIT im Konsortium zum EOSC-Sekretariat. Ebenfalls am KIT wird ein Science Data Center für Molekulare Materialforschung eingerichtet. Infrastrukturneuigkeiten gibt es auch aus dem DKFZ: hier wird das „BioDATEN – Bioinformatics DATa Environment“ aufgebaut.

Ihr

Helmholtz Open Science Koordinationsbüro

Dealing with Research Software

Forschungssoftware als Teil der guten digitalen Wissenschaftspraxis gewinnt zunehmend an Aufmerksamkeit (s. auch Literaturhinweise: Switters & Osimo 2019). Dabei sind Standards, Leit- und Richtlinien zum Umgang mit Forschungssoftware sowie die Förderung und Verbreitung von „Best Practices“ von Bedeutung. In einem kürzlich veröffentlichten Papier der Task Group Zugang zu und Nachnutzung von wissenschaftlicher Software des Arbeitskreises Open Science der Helmholtz-Gemeinschaft sind allgemeine Überlegungen und Empfehlungen zum Thema zusammengefasst.

Scheliga, K. et al. 2019: Dealing with research software: recommendations for best practices. http://doi.org/10.2312/os.helmholtz.003.

Bibliotheken und Thieme-Verlag kooperieren in DFG-Projekt zur Open-Access-Transformation

Das Forschungszentrum Jülich hat gemeinsam mit der ZB MED einen Transformationsvertrag mit der Thieme-Verlagsgruppe geschlossen. Im Rahmen des DFG-geförderten Pilotprojekts können Autorinnen und Autoren der z. Zt. 15 beteiligten Universitäten und Forschungseinrichtungen in der Thieme-Fachzeitschrift „Hormone and Metabolic Research“ ohne Mehrkosten Fachaufsätze im Open Access publizieren. Mit dem auf fünf Jahre angelegten Vertrag wird die schrittweise Transformation eines bestehenden Subskriptionsmodells in eine Open-Access-Finanzierung geregelt.

Dr. Bernhard Mittermaier, Leiter der Zentralbibliothek des Forschungszentrums Jülich und Beteiligter an den DEAL-Verhandlungen, betont die wissenschaftspolitische Bedeutung des Vertrags: „Es ist wichtig, dass komplementär zu den DEAL-Verhandlungen mit den drei größten Verlagen weltweit die Umstellung in den Open Access auch bei kleinen und mittleren Verlagen vorangetrieben wird. Wir sind froh, mit Unterstützung der DFG diesen Weg gemeinsam mit Thieme zu gehen.“

WissKom2019: Programm online

Vom 4. bis 6. Juni 2019 lädt die Zentralbibliothek des Forschungszentrums Jülich zur WissKom2019 „Forschungsdaten: Sammeln, sichern, strukturieren“ ein. Forschungsdaten sind nicht länger allein eine Domäne der Forschenden, sondern haben sich auch zu einem Handlungsfeld des Wissenschaftsmanagements und der Bibliotheken entwickelt. Aus der Perspektive der Bibliotheken werden bei der WissKom2019 Strategien, Ressourcen und Administration von Forschungsdaten sowie die praktische Umsetzung des Forschungsdatenmanagements (FDM) diskutiert. Nähere Informationen zu Programm und Anmeldung sind auf der Tagungswebsite zu finden .

Ein Workshop zum Open Access Monitor schließt sich am folgenden Tag an.

DKFZ an „BioDATEN – Bioinformatics DATa Environment“ beteiligt

Gefördert durch das Ministerium für Wissenschaft, Forschung und Kunst Baden-Württemberg bauen das Deutsche Krebsforschungszentrum DKFZ, das European Molecular Biology Laboratory (EMBL) sowie die Universitäten Tübingen, Freiburg und Heidelberg gemeinsam das „BioDATEN – Bioinformatics DATa Environment“ auf. Das Zentrum soll bioinformatische Workflows über den gesamten Lebenszyklus der Daten unterstützen.

Anliegen ist es, so die Pressemitteilung des Ministeriums, Nutzerinnen und Nutzern den Zugang zu verschiedenen voneinander unabhängigen Infrastrukturen auf regionaler, nationaler und internationaler Ebene, u. a. die baden-württembergische Hochleistungsrechnen-Infrastruktur, das Deutsche Netzwerk für Bioinformatik-Infrastruktur – de.NBI, die europäische Dateninfrastruktur ELIXIR und das internationale Bioinformatik-Netzwerk Galaxy zu erleichtern.

KIT gründet Science Data Center für Molekulare Materialforschung

Gemeinsam mit der Hochschule Karlsruhe - Technik und Wirtschaft und dem FIZ Karlsruhe – Leibniz-Institut für Informationsinfrastruktur wird am Karlsruher Institut für Technologie (KIT) das Projekt MoMaF – Science Data Center für Molekulare Materialforschung eingerichtet. Gefördert vom Ministerium für Wissenschaft, Forschung und Kunst Baden-Württemberg wird MoMaF das Forschungsdatenmanagement im Bereich Molekülchemie, makromolekulare Chemie und Oberflächenchemie sowie virtuelle Materialentwicklung unterstützen. Dabei wird der gesamte Prozess von der Datenentstehung bis zur Nachnutzung in den Blick genommen.

„Mit dem neu geschaffenen Science Data Center sorgen wir dafür, dass Wissen auch die Grenzen von Institutionen überwindet und übergreifend wirken kann“, sagt Professor Holger Hanselka, Präsident des KIT. Das Projekt MoMaF wird auf den am KIT bereits etablierten Konzepten des elektronischen Laborbuchs (ELN, Electronic Lab Notebook) sowie des Forschungsdatenrepositoriums Chemotion für das Fach Organische Chemie aufsetzen.

DINI-Zertifikat: Request for Comments

In diesem Jahr wird es turnusgemäß eine neue Auflage des DINI-Zertifikats für Open-Access-Publikationsdienste geben. Dabei werden abermals neue Wege zur Verbreitung des Zertifikats gegangen. Die größten Veränderungen zum DINI-Zertifikat 2016 sind u. a. die Empfehlung eines weiteren Metadatenformates im OAI-Protokoll (DataCite), die Ausweitung der Empfehlungen zur Autor/-innenidentifikation (ORCID) sowie Anpassungen an die Änderungen des Urheberrechts.

Für die Endfassung des DINI-Zertifikats 2019 ist das Feedback der Repository-Community unabdingbar, weshalb das DINI-Zertifikat 2019 als Dokument mit „Request for Comments“ (RFC) bereitgestellt wird. Um das Zertifikat weiter zu verbessern und auch auf die Bedingungen und Erwartungen der Publikationsdienste eingehen zu können, bittet die DINI-AG Elektronisches Publizieren um Kommentare und Anregungen zu den vorgeschlagenen Veränderungen bis zum 07.04.2019 per E-Mail an zertifikat19-rfc@dini.de. Nach Ende der Kommentierungsphase werden alle eingehenden Meldungen diskutiert und ggf. übernommen. Die Veröffentlichung der Endfassung des neuen DINI-Zertifikates ist für das vierte Quartal 2019 geplant.

EU-Parlament beschließt Urheberrechtsreform: müssen Repositorien jetzt Uploadfilter einbauen?

Ende März 2019 hat das Europäische Parlament den im Trilog verhandelten Kompromiss für die jüngste EU-Urheberrechtsreform gebilligt. In Deutschland hat dieses Gesetzgebungsvorhaben im europäischen Vergleich besonders viel Aufmerksamkeit erhalten. Diese Aufmerksamkeit gründet sich auf die Befürchtung, durch die neue Gesetzgebung werde die Informations- und Meinungsfreiheit, im Sinne von Möglichkeiten zu legalen Upload auf Plattformen wie z. B. YouTube, eingeschränkt. Der umstrittene Artikel 13 hat in der jetzt beschlossenen Version des Gesetzentwurfes die Nummer 17. Ein zentrales Anliegen der Befürworter des Gesetzesvorschlages war es, die Haftungsfreiheit von Plattformbetreibern bezüglich Urheberrechtsverletzungen durch illegale Uploads ihrer Nutzer zurückzufahren. Dies soll vor allem Lizenzzahlungen der Plattformbetreiber an die Rechteinhaber befördern. Welche der erwünschten und befürchteten Auswirkungen eintreten werden, ist aktuell nicht absehbar.

Aus der Perspektive der Wissenschaft ist die Frage zentral, ob und gegebenenfalls wie von ihr betriebene Plattformen, vor allem Repositorien, von Artikel 17 betroffen sein werden. In Erwägungsgrund 62 des Gesetzesvorschlages, der Artikel 17 erläutert, heißt es dazu: „Providers of services such as open source software development and sharing platforms, not-for-profit scientific or educational repositories as well as not-for-profit online encyclopedias should also be excluded from the definition of online content-sharing service provider.“

Den Mitgliedstaaten der Europäischen Union bleiben ab Inkrafttreten der Richtlinie zwei Jahre Zeit zu ihrer Umsetzung in nationales Recht. In Bezug auf Artikel 17 wird es für die Wissenschaft darauf ankommen, die in Erwägungsgrund 62 formulierte Ausnahme für von Wissenschaftsorganisationen betriebene Plattformen möglichst fest in diesen nationalen Gesetzen zu verankern.

KIT wird Mitglied des Konsortiums zum EOSC-Sekretariat

Die Lenkungsstruktur der European Open Science Cloud (EOSC; s. Newsletter 65) gewinnt weiter an Form. Entscheidungen zur Entwicklung der EOSC sollen im EOSC Board getroffen werden. Für die Kommunikation mit den Serviceprovidern und den Nutzerinnen und Nutzern soll das etablierte EOSC Stakeholder Forum weitergeführt werden. Das Stakeholder Forum soll vom jetzt neu gebildeten EOSC Secretariat Consortium organisiert werden. Als Wissenschaftsorganisation aus Deutschland ist das Karlsruhe Institut für Technologie (KIT) im Konsortium vertreten.

Open Access in der Chemie: PeerJ startet neue Zeitschriften

Die Chemie ist ein Forschungsgebiet, in dem Open Access zu wissenschaftlichen Publikationen sich bisher vergleichsweise zögerlich durchgesetzt hat. Dies war unter anderem ein Ergebnis der 2011 veröffentlichten SOAP-Studie zum Open-Access-Publizieren.

Der Open-Access-Verlag PeerJ will das jetzt ändern. Zum Jahresanfang hat PeerJ gleich fünf neue Open-Access-Zeitschriften zu verschiedenen Unterdisziplinen der Chemie gestartet und hat damit die Gesamtzahl seiner Zeitschriftentitel mehr als verdreifacht. Als Einführungsangebot für die neuen Zeitschriften verzichtet PeerJ zunächst auf Publikationsgebühren.

MIT stellt neue Open-Science-Empfehlungen zur Diskussion

Bereits 2009 hat das Massachusetts Institute of Technology (MIT) in einer Abstimmung des Lehrkörpers eine Open-Access-Richtlinie beschlossen, mit der wissenschaftliche Veröffentlichungen von MIT-Wissenschaftler/-innen frei zugänglich gemacht werden (s. Newsletter 27).

Jetzt hat eine „Task Force on Open Access to MIT's Research“ eine Reihe von Empfehlungen vorgeschlagen, mit denen die Richtlinie im Sinne von Open Science auf weitere Forschungsprodukte ausgedehnt werden könnte, z. B. auf Forschungsdaten, Softwarecode und Lehrmaterialien. U. a. werden auch die Einrichtung eines „Open Data Fonds“ zur Anschubfinanzierung neuer Forschungsdatenrepositorien und eine größere Anerkennung für Open-Science-Aktivitäten empfohlen, z. B. bei Einstellungen. Die Vorschläge der Task Force können noch bis Mitte April öffentlich kommentiert werden.

Literaturhinweise

Abdill, R.J. & R. Blekhman 2019: Tracking the popularity and outcomes of all bioRxiv preprints. bioRxiv:515643

Beagrie, N. 2019: What to keep: a Jisc research data study. Bristol: Jisc. http://repository.jisc.ac.uk/id/eprint/7262

Harding, R.J. 2019: Open notebook science can maximize impact for rare disease projects. PLOS Biology 17: e3000120. https://doi.org/10.1371/journal.pbio.3000120

Johnson, R. 2019: From coalition to commons: Plan S and the future of scholarly communication. Insights 32: 5. https://doi.org/10.1629/uksg.453

Kaier, C. & K. Lackner 2018: Open Access aus der Sicht von Verlagen. Preprint. https://edoc.hu-berlin.de/handle/18452/20410

Practical guide to the international alignment of research data management. Working Group on Research Data, 2018. Brussels: Science Europe. https://www.scienceeurope.org/supporting-the-international-alignment-of-research-data-management/

Quaderi, N. et al. 2019: The Plan S footprint: implications for the scholarly publishing landscape. Report. Clarivate Analytics. https://clarivate.com/g/plan-s-footprint/

Switters, J. & D. Osimo 2019: Recognising the importance of software in research – research software engineers (RSEs), a UK example. Open Science Monitor case study. Brussels: European Commission – Directorate-General for Research and Innovation. https://ec.europa.eu/info/sites/info/files/research_and_innovation/importance_of_software_in_research.pdf

Impressum

Der Helmholtz Open Science Newsletter wird vom Helmholtz Open Science Koordinationsbüro herausgegeben.

Redaktion: Dr. Christoph Bruch, Heinz Pampel, Kaja Scheliga, Dr. Paul Schultze-Motel, Paul Vierkant und Eike Wannick

Kontakt: open-science@helmholtz.de

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