Newsletter abonnieren

Newsletter abonnieren

Archiv

Alle Ausgaben des Newsletters finden Sie im Archiv.

Helmholtz Open Science Newsletter vom 05.10.2018

Liebe Kolleginnen und Kollegen,

dies ist der 70. Helmholtz Open Science Newsletter, herausgegeben vom Helmholtz Open Science Koordinationsbüro. In diesem Newsletter geben wir Ihnen einen Überblick über die wichtigsten Entwicklungen zum Thema Open Science.

Sie finden den aktuellen Newsletter und das Archiv auf der Website des Helmholtz Open Science Koordinationsbüros.

Wir freuen uns, wenn Sie diesen Newsletter an Interessierte weiterleiten.

Start der zweiten Projektphase von DeepGreen

Das Projekt DeepGreen unterstützt die Open-Access-Transformation in Deutschland und will dazu mit aktiver Beteiligung von Verlagen ein Verfahren entwickeln, das Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftlern den Schritt einer manuellen Zweitveröffentlichung abnimmt.

Die nun startende zweite Förderphase bis 2020 verfolgt vor allem das Ziel, mit DeepGreen einen bundesweiten Dienst aufzubauen. Dieser richtet sich im ersten Schritt an alle wissenschaftlichen Einrichtungen, die an dem Konsortium der Allianz-Lizenzen beteiligt sind. Darüber hinaus soll geprüft werden, inwieweit sich der DeepGreen-Ansatz ausweiten lässt: einerseits auf andere Kontexte der Lizenzierung wissenschaftlicher Fachinformationen und andererseits auf weitere digitale Informationsinfrastrukturen wie z. B. Open-Access-Fachrepositorien und Forschungsinformationssysteme. Das Helmholtz Open Science Koordinationsbüro am Deutschen GeoForschungsZentrum GFZ ist einer der Projektpartner.

Call for Papers: WissKom2019 zum Forschungsdatenmanagement

Die WissKom2019, die vom 4. bis 6. Juni 2019 von der Zentralbibliothek des Forschungszentrums Jülich veranstaltet wird, steht unter dem Motto „Forschungsdaten: Sammeln, sichern, strukturieren“. Der Call for Papers läuft noch bis zum 30. November 2018. Auszug: „Aus der Perspektive von Bibliotheken sollen bei der WissKom2019 die Strategien, das Handling, die Ressourcen und die Administration von Forschungsdaten sowie die praktische Umsetzung des Forschungsdatenmanagements diskutiert werden. Die Beiträge sollen dem 'Lessons learned'-Gedanken folgen, wonach die Darstellung der eigenen Aktivitäten und deren kritische Reflexion den größten praktischen Gewinn für die Konferenzteilnehmer und Teilnehmerinnen ergibt.“ Ein Proceedings-Band mit den vollständigen Beiträgen wird als Open-Access-Publikation im Verlag des Forschungszentrums Jülich erscheinen.

Rückblick: Helmholtz Open Science Workshop „Elektronische Laborbücher“

Mehr als 90 Teilnehmer/-innen aus Helmholtz-Zentren, Universitäten und weiteren Forschungseinrichtungen kamen im September 2018 in Braunschweig am Helmholtz-Zentrum für Infektionsforschung (HZI) zusammen um sich beim Helmholtz Open Science Workshop „Elektronische Laborbücher“ über aktuelle Möglichkeiten zum Umstieg von traditionellen Laborbüchern aus Papier auf elektronische Geräte zu informieren. Durch einen Videostream konnten die Vorträge auch an HZI-Außenstandorte und weitere Helmholtz-Zentren übertragen werden.

Gerade in biologischen und chemischen Laboren sind Laborbücher die Grundlage für die Protokollierung von Arbeitsabläufen, Ergebnissen und Forschungsdaten. Elektronische Laborbücher haben gegenüber der Papierversion verschiedene Vorteile, z. B. können sie die Datenarchivierung erleichtern, die Zusammenarbeit im Team fördern und als Open-Science-Tool dienen (s. Newsletter 68).

Am ersten Tag des Workshops konnten die Teilnehmer/-innen während einer Demosession mit verschiedenen Anbietern elektronische Laborbücher am Rechner testen und Hilfestellung bei der Entscheidung über die Einführung und Auswahl einer Open-Source-Software oder eines kommerziellen Produkts erhalten. Beim Workshop gab es spannende Vernetzungen zwischen Teilnehmer/-innen aus unterschiedlichen Forschungsgebieten und Funktionsbereichen. Die Vortragsfolien des Workshops stehen online zur Verfügung.

Software in der europäischen Forschungslandschaft

In der europäischen Forschungslandschaft intensivieren sich die Aktivitäten rund um das Thema wissenschaftliche Software. Anfang September fand die Third Conference of Research Software Engineers statt, an der auch Vertreter/-innen aus der Helmholtz-Gemeinschaft mit Beiträgen beteiligt waren:

Das Deutsche Zentrum für Luft- und Raumfahrt (DLR) hat seine „Software Engineering Guidelines“ auf Deutsch und Englisch veröffentlicht. Innerhalb der Helmholtz-Gemeinschaft fand im September ein interner Helmholtz Open Science Workshop zur Policy-Entwicklung für den Umgang mit wissenschaftlicher Software statt. Für Forschungssoftwareentwickler/-innen in Deutschland ist vom 4. bis 6. Juni 2019 eine deRSE19-Konferenz auf dem Telegrafenberg in Potsdam geplant (Kontakt).

Code Ocean verlinkt wissenschaftliche Publikationen und Software

Code Ocean ist eine Cloud-basierte Plattform zur Ausführung von Softwarecode. Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler können damit Code aus wissenschaftlichen Publikationen ausführen, testen und sogar verändern. Die Plattform trägt damit zur Reproduzierbarkeit wissenschaftlicher Ergebnisse bei und kann u. a. zum Peer Review von Code verwendet werden.

Code und Daten können von Wissenschaftler/-innen und Programmierer/-innen hochgeladen und mit einem dazugehörigen Artikel verlinkt werden. DataCite vergibt DOIs für veröffentliche Algorithmen, die damit zitierbar und transparent nachnutzbar werden. Ein Beispiel ist bei Code Ocean der Eintrag zu Safikhani & Smirnov 2018, der sowohl auf die Textpublikation als auch auf den dazugehörigen R-Code verweist. Die Plattform ist bereits Partnerschaften mit Verlagen wie Cambridge University Press eingegangen und wird aktuell von mehreren Nature-Zeitschriften getestet.

Aktualisierung der Website der Schwerpunktinitiative „Digitale Information“

Seit 2008 kooperieren die Partnerorganisationen in der Allianz der Wissenschaftsorganisationen im Rahmen der Schwerpunktinitiative „Digitale Information“ zum digitalen Wandel in der Wissenschaft. Zu Beginn dieses Jahres ging die Schwerpunktinitiative in ihre dritte Phase. Nun wurde die Website https://www.allianzinitiative.de aktualisiert, die durch das Helmholtz Open Science Koordinationsbüro betrieben wird.

Open Science wird Thema in Studierenden-Gremien

Open Science ist seit Jahren mit Themen wie Open Access und Zugang zu Forschungsdaten und wissenschaftlicher Software immer tiefer in der Forschungslandschaft verankert. Neu ist, dass nicht nur Nachwuchswissenschaftler/-innen, sondern auch Studierende sich diesem Thema vermehrt widmen.

Auf ihrer 27. Tagung im Juni 2018 hat die Psychologie-Fachschaften-Konferenz (PsyFaKo) ein Positionspapier zum Thema „Replikationskrise und Open Science in der Psychologie“ veröffentlicht. Darin werden u. a. die Behandlung von Open Science in der Methodenlehre sowie in Grundlagen- und Anwendungsfächern gefordert. Darüber hinaus sollen offene Forschungspraktiken als Einstellungskriterium bzw. bei der Vergabe von Fördermitteln berücksichtigt werden.

Neben Studierenden der Psychologie beschäftigen sich auch nationale Studierenden-Gremien anderer Fächer mit dem Thema Open Science. So hat ebenfalls im Juni 2018 die „Zusammenkunft aller deutschsprachigen Physik-Fachschaften“ (ZaPF) sich in einem Arbeitskreis Open Science zu einer Roadmap zum Thema Open Science selbst verpflichtet.

Europäische Förderorganisationen stellen „Plan S“ vor

Mit dem „Plan S“ haben sich europäische Forschungsförderer auf zehn Prinzipien zur Förderung von Open Access verständigt. Der Plan, der bisher von elf nationalen Förderorganisationen mitgetragen wird, sieht vor, dass Förderorganisationen ihre Mittelempfängerinnen und -empfänger ab Januar 2020 zur Veröffentlichung „in compliant Open Access Journals or on compliant Open Access Platforms“ verpflichten. Der „Plan S“ versteht sich als Beitrag der Forschungsförderung zur Umsetzung der „Council Conclusions on the Transition towards an Open Science System“ der EU-Mitgliedstaaten aus dem Jahr 2016. Die Europäische Kommission und der European Research Council unterstützen den Plan.

Bemerkenswert am „Plan S“ sind die zehn Kriterien, mit denen auf die Angebote von Verlagen und Plattformen Einfluss genommen werden soll. So sind z. B. Preisobergrenzen für Open-Access-Publikationsgebühren vorgesehen. Das häufig kritisierte Geschäftsmodell der hybriden Zeitschriften, bei der einzelne Beiträge, zusätzlich zur Subskriptionsgebühr per Publikationsgebühren „freigekauft“ werden können, soll nicht unterstützt werden. Autorinnen und Autoren sollen die Rechte an ihren Beiträgen behalten und Verlagen oder Plattformen lediglich die Veröffentlichung unter einer liberalen offenen Lizenz gestatten (z. B. CC BY).

Frankreich veröffentlicht nationalen Plan für Open Science

Anfang Juli 2018 hat die französische Wissenschaftsministerin Frédérique Vidal den „National Plan for Open Science“ der französischen Regierung veröffentlicht. Bereits wenige Tage zuvor hatte sie den Plan bei der LIBER-Jahreskonferenz erläutert.

Die französische Regierung erhofft sich von der Unterstützung des Open-Science-Paradigmas eine nachhaltige Stärkung des Wissenschaftsstandortes Frankreich und verbindet dies mit den regelmäßig für Open Science vorgebrachten Argumenten: Effizienzsteigerung in der Wissenschaft, Verbesserung des Wissenstransfers in die Wirtschaft und Demokratisierung des Zugangs zu wissenschaftlichen Ergebnissen. Hierzu werden sowohl Open-Access-Publizieren als auch die Zugänglichmachung von Forschungsdaten als Ziel gesetzt. Diese Politik wird innerhalb des Ministeriums durch ein neues Expertengremium unterstützt. Die aktuelle Regierung hat mit diesem Plan und den damit verknüpften Aktivitäten im Vergleich zur vorhergehenden Regierung eine wesentliche Kursänderung vorgenommen.

Stellungnahme der Allianz der Wissenschaftsorganisationen zur PSI-Richtlinie

Auf EU-Ebene wird an der dritten Novellierung der „Richtlinie über die Weiterverwendung von Informationen des öffentlichen Sektors“ (PSI-Richtlinie) gearbeitet (s. Newsletter 66). Der Vorschlag der Kommission plus Korrektur wird von der Allianz der Wissenschaftsorganisationen kritisch kommentiert, weil er eine schwer verständliche Regelung zur Zugänglichmachung von Forschungsdaten durch die Wissenschaftsorganisationen enthält. Die Allianz befürwortet das Anliegen, steht jedoch einer entsprechenden gesetzlichen Verpflichtung kritisch gegenüber, nicht zuletzt, weil durch sie unter Umständen umfangreiche und damit teure rechtliche Prüfpflichten auf die Wissenschaftsorganisationen zukommen könnten.

EU-Gesetzgebung zum Urheberrecht

Über den Vorschlag der EU-Kommission zur Novellierung des Urheberrechtes wurde in diesem Newsletter bereits berichtet (s. Newsletter 65). Im September 2018 wurde vom EU-Parlament der Bericht des Justizausschusses zu diesem Gesetzesvorschlag in leicht veränderter Form beschlossen. Die Haltung der im EU-Rat versammelten Regierungen der Mitgliedsstaaten erläutert die EU-Abgeordnete Julia Reda anschaulich. Jetzt müssen sich die drei Gremien in den sogenannten trilateralen Verhandlungen auf einen gemeinsamen Text einigen.

Timothy Gowers: „A new journal in combinatorics“

In einem Blogbeitrag hat der britische Mathematiker Sir Timothy Gowers die Gründung eines weiteren „Overlay Journals“ bekanntgegeben, das als Open-Access-Zeitschrift auf der Basis des Preprint-Servers arXiv mit minimalen Kosten betrieben wird. „Advances in Combinatorics“ ist nach „Discrete Analysis“ (s. Newsletter 54) die zweite mathematische Zeitschrift, die nach diesem Modell von Timothy Gowers mit einem Herausgebergremium exzellenter Mathematiker/-innen gegründet wird. Die neue Zeitschrift läuft auf der sehr kostengünstigen Plattform Scholastica und wird von der Bibliothek der kanadischen Queen's University finanziell gefördert. Für Autor/-innen entstehen keine Publikationsgebühren. Timothy Gowers unterstützt „ethische“ Zeitschriften in der Hand von Wissenschaftler/-innen und bietet seine Hilfe für die Gründung weiterer solcher Zeitschriften an.

Literaturhinweise

Breugelmans, J.G. et al. 2018: Scientific impact increases when researchers publish in open access and international collaboration: a bibliometric analysis on poverty-related disease papers. PLOS ONE 13: e0203156. https://doi.org/10.1371/journal.pone.0203156

Callahan, A., R. Winnenburg & N.H. Shah 2018: U-Index, a dataset and an impact metric for informatics tools and databases. Scientific Data 5: 180043. https://doi.org/10.1038/sdata.2018.43

Cobey, K.D. et al. 2018: What is a predatory journal? A scoping review. F1000Research 7: 1001. https://doi.org/10.12688/f1000research.15256.2

Katz, D.S. et al. 2018: The state of sustainable research software: results from the Workshop on Sustainable Software for Science: Practice and Experiences (WSSSPE5.1). arXiv:1807.07387

McCray, A.T. et al. 2018: Open science by design. Realizing a vision for 21st century research. Herausg. von den National Academies of Sciences, Engineering, and Medicine. Washington, DC: The National Academies Press. https://doi.org/10.17226/25116

Milham, M.P. et al. 2018: Assessment of the impact of shared brain imaging data on the scientific literature. Nature Communications 9: 2818. https://doi.org/10.1038/s41467-018-04976-1

Portegies Zwart, S. 2018: Computational astrophysics for the future. Science 361: 979–980. https://doi.org/10.1126/science.aau3206

Toelch, U. & D. Ostwald 2018: Digital open science – teaching digital tools for reproducible and transparent research. PLOS Biology 16: e2006022. https://doi.org/10.1371/journal.pbio.2006022

Impressum

Der Helmholtz Open Science Newsletter wird vom Helmholtz Open Science Koordinationsbüro herausgegeben.

Redaktion: Dr. Christoph Bruch, Heinz Pampel, Kaja Scheliga, Dr. Paul Schultze-Motel und Paul Vierkant

Kontakt: open-science@helmholtz.de

Newsletter abonnieren.

Falls Sie diesen Newsletter nicht mehr erhalten möchten, senden Sie bitte eine E-Mail-Nachricht an paul.schultze-motel@os.helmholtz.de.

URL dieser Newsletter-Ausgabe: https://os.helmholtz.de/bewusstsein-schaerfen/newsletter/archiv/newsletter-70-vom-05102018/

Lizenz

Die Inhalte dieses Newsletters sind gemäß Creative Commons by Attribution 4.0 lizenziert. Es ist erlaubt, die Inhalte des Newsletters weiter zu verwenden und zu verbreiten, wenn der Newsletter als Quelle angegeben wird.

Newsletter

Allianz der deutschen Wissenschafts-organisationen

Schwerpunktinitiative „Digitale Information“