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Alle Ausgaben des Newsletters finden Sie im Archiv.

Helmholtz Open Science Newsletter vom 23.05.2017

Liebe Kolleginnen und Kollegen,

dies ist der 62. Helmholtz Open Science Newsletter, herausgegeben vom Helmholtz Open Science Koordinationsbüro. In diesem Newsletter geben wir Ihnen einen Überblick über die wichtigsten Entwicklungen zum Thema Open Science.

Sie finden den aktuellen Newsletter und das Archiv auf der Website des Helmholtz Open Science Koordinationsbüros.

Wir freuen uns, wenn Sie diesen Newsletter an Interessierte weiterleiten.

Positionspapier „Zugang zu und Nachnutzung von wissenschaftlicher Software“ veröffentlicht

Das Positionspapier skizziert die Bedeutung des Zugangs zu und der Nachnutzung von wissenschaftlicher Software und beschreibt diesbezügliche Diskussionen in der Helmholtz-Gemeinschaft und in der Allianz der deutschen Wissenschaftsorganisationen. Anhand der Themen Leit- und Richtlinien, Anreize, Publikationsstrategien, Infrastrukturen, Ausbildung und rechtliche Fragen werden mögliche Lösungsansätze vorgestellt und Empfehlungen für die Gestaltung des Umgangs mit wissen­schaftlicher Software an den Zentren der Helmholtz-Gemeinschaft gegeben. Das Positionspapier wurde von der Task Group „Zugang zu und Nachnutzung von wissenschaftlicher Software“ des Arbeitskreises Open Science der Helmholtz-Gemeinschaft erarbeitet und vom Arbeitskreis Open Science am 14.03.2017 verabschiedet.

Praxisbeispiel: Vernetzungstreffen zu wissenschaftlicher Software am GFZ

Am Deutschen GeoForschungsZentrum GFZ hat Anfang Mai ein Meet-up für Research Software Engineers (RSEs) des GFZ stattgefunden. An dem Treffen nahmen ca. 50 Wissenschaftler/-innen und Personen teil, die wissenschaftliche Software entwickeln. Die hohe Beteiligung ist ein deutliches Zeichen dafür, dass das Interesse am Themenkomplex wissenschaftliche Software groß ist und Bedarf für einen Austausch unter praktizierenden Akteurinnen und Akteuren besteht.

APS ins SCOAP³-Konsortium aufgenommen

Im April 2017 ist die American Physical Society (APS) mit ihren Zeitschriften Physical Review C, Physical Review D und Physical Review Letters in das SCOAP³ -Konsortium aufgenommen worden. Nach einer Erhebung des CERN stellt SCOAP³ jetzt sicher, dass 90 Prozent der Hochenergiephysikartikel nach SCOAP³-Definition (d. h. die Artikel wurden parallel in einer hep*-Kategorie im arXiv gespeichert) im Open Access unter der offenen Creative-Commons-Lizenz „Namensnennung“ zugänglich gemacht werden. Das SCOAP³-Konsortium wird durch 3000 wissenschaftliche Einrichtungen aus 33 Ländern getragen. Auch mehrere Helmholtz-Zentren sind an dem wegweisenden Open-Access-Konsortium beteiligt.

TATuP wird Open Access-Zeitschrift

„TATuP – Zeitschrift für Technikfolgenabschätzung in Theorie und Praxis“ ist das zentrale Publikationsmedium für das interdisziplinäre Feld der Technikfolgenabschätzung. Die TATuP-Redaktion ist am Institut für Technikfolgenabschätzung und Systemanalyse (ITAS) des Karlsruher Instituts für Technologie (KIT) angesiedelt. Die Zeitschrift erschien zunächst ab 1992 als „TA-Datenbank-Nachrichten“ und entwickelte sich zu einer wissenschaftlichen Zeitschrift, ab 2002 unter dem Titel „Technikfolgenabschätzung – Theorie und Praxis“. Von Anfang an waren die gedruckten Ausgaben kostenlos zu beziehen und ab 1995 konnten die Artikel online abgerufen werden.

Nach 25 Jahrgängen folgt nun ein Relaunch. TATuP wird ab 2017 als Open-Access-Zeitschrift – gedruckt und online – herausgegeben. Die Artikel stehen im Sinne der „Berliner Erklärung über den freien Zugang zu wissenschaftlichem Wissen“ unter der Creative-Commons-Lizenz CC BY 4.0. Dies soll zu einer besseren Sichtbarkeit und Verbreitung beitragen und den Charakter als Open-Access-Zeitschrift verdeutlichen. Über die Website der Zeitschrift können auch Druckexemplare bestellt werden.

Für die Gewährleistung einer hohen Qualität durchlaufen die wissenschaftlichen Artikel ein Peer-Review-Verfahren. Zusätzlich wurden ein Herausgebergremium und ein wissenschaftlicher Beirat etabliert. Produktion, Vertrieb und Marketing erfolgen künftig in Kooperation mit dem oekom verlag in München. TATuP wird weiterhin vom ITAS finanziell unterstützt, dadurch entstehen für Autorinnen und Autoren keine Publikationsgebühren. Eine News-Rubrik sowie Interviews, Rezensionen und Tagungsberichte sollen einen über die wissenschaftliche Community hinausgehenden Leserkreis ansprechen. Die erste TATuP in neuer Gestaltung erscheint im August 2017 und widmet sich dem Thema Open Science.

Forschungsdaten für die Lehre

Viele Helmholtz-Zentren engagieren sich im Sinne von Open Science dafür, dass Daten aus wissenschaftlichen Projekten nicht nur im Rahmen der Forschung nachnutzbar sind, sondern auch für Lehrzwecke zur Verfügung gestellt werden. Im Schulprojekt Kepler ISS der Ruhr-Universität Bochum, das vom Deutschen Zentrum für Luft- und Raumfahrt (DLR) gefördert wird, werden von Kameras der Internationalen Raumstation ISS aufgenommene Videobilder der Erde für die Verwendung im Schulunterricht aufbereitet. Wie im Vorgängerprojekt Columbus Eye werden für Lehrerinnen und Lehrer Unterrichtsmaterialien als „Open Educational Resources“ entwickelt, u. a. zum Thema Fernerkundung für das Fach Erdkunde, aber auch für Physik und weitere MINT-Fächer.

In einem ganz anderen Wissenschaftsgebiet werden Forschungsdaten aus dem ATLAS-Experiment am „Large Hadron Collider“ (LHC) des CERN über ein Datenportal für Lehrzwecke offen verfügbar gemacht. Zielgruppe sind vor allem Studentinnen und Studenten und die interessierte Öffentlichkeit. Das Deutsche Elektronen-Synchrotron DESY ist ein Projektpartner des ATLAS-Experiments. Das DESY ist ebenfalls beteiligt am Netzwerk Teilchenwelt, das sich speziell an Schülerinnen und Schüler richtet und Grundlagen der Teilchenphysik und der Astroteilchenphysik vermittelt. Jedes Jahr finden am DESY für Schülerinnen und Schüler „International Masterclasses“ zur Teilchenphysik statt.

Forschungsdatenrepositorium RADAR

Das disziplinübergreifende Forschungsdatenrepositorium RADAR des FIZ Karlsruhe bietet seit 2017 einen Service zur Archivierung und Publikation von Forschungsdaten, abgeschlossener wissenschaftlicher Studien und Projekte an. Das Forschungsdatenrepositorium RADAR wurde im Rahmen eines gleichnamigen, durch die Deutsche Forschungsgemeinschaft geförderten Projekts von verschiedenen Einrichtungen, u. a. dem Karlsruher Institut für Technologie (KIT) entwickelt. Der kostenpflichtige Dienst richtet sich zum einen an Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler selbst, zum anderen an öffentlich geförderte Institutionen in Deutschland, die ihre Forschungsdaten veröffentlichen bzw. archivieren möchten. Die Höhe der Archivierungs- bzw. Publikationskosten richtet sich nach Datenmenge und Archivierungsdauer, die mindestens 25 Jahre beträgt.

Rat für Informationsinfrastrukturen gibt Empfehlungen zur Nationalen Forschungsdateninfrastruktur

Der in Deutschland von Bund und Ländern eingesetzte Rat für Informationsinfrastrukturen (RfII) gibt in einem jüngst veröffentlichten Diskussionspapier einen Impuls zur Schaffung einer Nationalen Forschungsdateninfrastruktur (NFDI). Angeregt wird die Bildung von Konsortien, die sich als Teil der wissenschaftlichen Selbstverwaltung aus Fachgemeinschaften und Informationsinfrastruktureinrichtungen zusammensetzen. Diese Konsortien sollen, so der RfII, mit Ressourcen ausgestatteten werden und einen schrittweisen Aufbau der NFDI leisten. Der Prozess zur Etablierung der NFDI soll moderiert und qualitätsgesichert umgesetzt werden. Das Diskussionspapier setzt auf den Empfehlungen „Leistung aus Vielfalt“ des RfII aus dem Jahr 2016 auf, in dem erstmals die Schaffung einer NFDI vorgeschlagen wurde.

UrhWissG: alles ist offen

Das Urheberrechts-Wissensgesellschafts-Gesetz (UrhWissG) soll die geltenden Schrankenregelungen für Bildung und Wissenschaft vereinfachen und an die Erfordernisse der Wissensgesellschaft anpassen (s. Newsletter 60). Der am 01.02.2017 vom Justizministerium veröffentlichte Referentenentwurf für das UrhWissG traf auf Zustimmung aus dem Lager der Wissenschaft und erwartungsgemäß auf Kritik von Seiten der Verleger. Beide Seiten haben ihre „Unterstützer“ in den Bundestagsfraktionen. Die Uneinigkeit zwischen Verlagen und Wissenschaft spiegelt sich deshalb im Bundestag wider und teilweise auch innerhalb der einzelnen Fraktionen. Im Koalitionsausschuss am 06.03.2017 gelang es einen Kompromiss über die strittigen Punkte zu erzielen. Der Regierungsentwurf vom 12.04.2017 enthält diese Änderungen. Die wichtigste betrifft die Reduktion des Umfangs der erlaubten Nutzung. Während der Referentenentwurf in den meisten Fällen einen Nutzungsumfang von 25 % eines Werkes vorsah, wurde dieser Wert im Kompromiss des Koalitionsausschusses auf 15 % abgesenkt.

Aus der Perspektive der Wissenschaft war damit die Schmerzgrenze erreicht. Intern wurde kontrovers darum gerungen, ob der Kabinettsentwurf noch als Fortschritt gewertet werden könne. Der Bundesrat bat mit seiner Stellungnahme vom 12.05.2017 den Bundestag eine Rückkehr zu den ursprünglich vorgeschlagenen 25 % zu prüfen.

Von Teilen der CDU-CSU-Bundestagsfraktion wird der im Koalitionsausschuss formulierte Kompromiss bis heute nicht akzeptiert. Ob das UrhWissG noch in dieser Legislaturperiode beschlossen werden wird und ob dies gegebenenfalls aus der Perspektive der Wissenschaft zu einer Verbesserung der Rechtslage führt, ist deshalb derzeit unklar. Die Allianz der Wissenschaftsorganisationen hat am 18.05.2017 in einer Pressemitteilung noch einmal betont, dass das Gesetz für die Wissenschaft von größter Bedeutung ist, insbesondere für eine zeitgemäße Lehre in Schulen und Hochschulen. Am 29.05.2017 veranstaltet der Rechtsausschuss eine Anhörung zu dem Gesetzesvorschlag.

Open-Access-Publikationsdienste für Forschungsförderer

Im März 2017 hat die Bill & Melinda Gates Foundation angekündigt noch in diesem Jahr den eigenen Open-Access-Publikationsdienst Gates Open Research einzurichten, der von geförderten Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftlern für ihre Publikationen aus Projekten der Stiftung genutzt werden kann. Die Publikationsplattform wird wie der 2016 vom Wellcome Trust gestartete ganz ähnliche Dienst Wellcome Open Research vom Open-Access-Verlag F1000Research als Dienstleister betrieben.

Beide Plattformen operieren nach dem gleichen Muster: Textpublikationen und Forschungsdaten aus geförderten Projekten sollen nach dem Willen der auftraggebenden Forschungsförderer möglichst schnell im Open Access veröffentlicht werden und danach einen offenen Peer-Review-Prozess durchlaufen. Für die geförderten Autorinnen und Autoren fallen keine Publikationsgebühren an, alle Kosten werden von den Förderorganisationen getragen. Die Gates Foundation unternimmt damit einen weiteren Schritt zur Umsetzung ihrer weitreichenden Open-Access-Richtlinie (s. Newsletter 61).

Auch bei der Europäischen Kommission wird offenbar über ein derartiges Modell nachgedacht. Wie ein Open-Access-Publikationsdienst für EU-geförderte Forschungsprojekte im Detail aussehen könnte, ist aktuell noch offen.

Literaturhinweise

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Mittermaier, B. 2017: DEAL vs. Elsevier: Verschleppungstaktik, aber der Verlag sitzt gar nicht am längeren Hebel. Open Password #183. http://www.password-online.de/?wysija-page=1&controller=email&action=view&email_id=242

Morrison, H. et al. 2017: Open access article processing charges (OA APC) longitudinal study 2016 dataset. Data 2: 13. https://doi.org/10.3390/data2020013

Pasquetto, I., B. Randles & C. Borgman 2017: On the reuse of scientific data. Data Science Journal 16: 8. https://doi.org/10.5334/dsj-2017-008

Silva, L. B. et al. 2017: General guidelines for biomedical software development. F1000Research 6: 273. https://doi.org/10.12688/f1000research.10750.1

Vasilevsky, N.A. et al. 2017: Reproducible and reusable research: are journal data sharing policies meeting the mark? PeerJ 5: e3208. https://doi.org/10.7717/peerj.3208

Vierkant, P. et al. 2017: Workflows zur Bereitstellung von Zeitschriftenartikeln auf Open-Access-Repositorien - Herausforderungen und Lösungsansätze. o-bib - das offene Bibliotheksjournal 4: 151–169. https://doi.org/10.5282/o-bib/2017H1S151-169

Impressum

Der Helmholtz Open Science Newsletter wird vom Helmholtz Open Science Koordinationsbüro herausgegeben.

Redaktion: Dr. Christoph Bruch, Heinz Pampel, Kaja Scheliga, Dr. Paul Schultze-Motel und Paul Vierkant

Kontakt: open-science@helmholtz.de

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