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Alle Ausgaben des Newsletters finden Sie im Archiv.

Helmholtz Open Science Newsletter vom 30.11.2017

Liebe Kolleginnen und Kollegen,

dies ist der 65. Helmholtz Open Science Newsletter, herausgegeben vom Helmholtz Open Science Koordinationsbüro. In diesem Newsletter geben wir Ihnen einen Überblick über die wichtigsten Entwicklungen zum Thema Open Science.

Sie finden den aktuellen Newsletter und das Archiv auf der Website des Helmholtz Open Science Koordinationsbüros.

Wir freuen uns, wenn Sie diesen Newsletter an Interessierte weiterleiten.

Forschungszentrum Jülich betreibt Datenstelle für OA2020-DE

Die Allianz der deutschen Wissenschaftsorganisationen hat im Rahmen der Schwerpunktinitiative „Digitale Information“ einen „Nationalen Open-Access-Kontaktpunkt“ (OA2020-DE) für Deutschland eingerichtet. Mit diesem Vorhaben sollen die Voraussetzungen für eine großflächige Umstellung von Subskription zu Open Access geschaffen werden. Der Kontaktpunkt, der sich als deutscher Beitrag zur internationalen Transformationsinitiative OA2020 versteht, ist an der Universitätsbibliothek Bielefeld und an der Zentralbibliothek des Forschungszentrums Jülich angesiedelt. In Jülich wird jetzt eine Datenstelle aufgebaut, die die Wissenschaftseinrichtungen bei zukünftigen Verhandlungen mit den Verlagen unterstützen wird. Eine Website informiert über das Vorhaben.

Helmholtz-Wissenschaftler legen Herausgeberschaft von Elsevier-Zeitschriften nieder

Seit einem Jahr verhandeln die deutschen Wissenschafts­organisationen im Rahmen des Projekts DEAL mit den Verlagen Elsevier, Springer Nature und Wiley über bundesweite Verträge für elektronische Zeitschriften (s. Newsletter 64). Um die Position der Wissenschaft in den Verhandlungen mit dem Verlag Elsevier zu stärken haben jetzt u. a. Forscher aus der Helmholtz-Gemeinschaft ihre Mitarbeit als Herausgeber von Zeitschriften des Verlages beendet. Unter ihnen ist auch der Vorstandsvorsitzende des Forschungszentrums Jülich, Professor Wolfgang Marquardt. In einem Interview mit dem „ZEIT Chancen Brief“ erläutert er sein Anliegen.

RDA 11th Plenary 2018: Call for Collocated and Associated Events and for Sessions

Für die vom Helmholtz-Zentrum Potsdam Deutsches GeoForschungsZentrum GFZ organisierte 11. Plenartagung der Research Data Alliance (RDA), die vom 21. bis 23. März 2018 in Berlin stattfindet (s. Newsletter 63), wurde jetzt ein Call for Sessions veröffentlicht, der sich vor allem an bereits existierende RDA Working Groups und Interest Groups richtet. Noch bis 28. Dezember 2017 können Vorschläge für Group Sessions, aber auch für „Birds of a Feather“ Sessions zu neuen Themen eingereicht werden.

Bereits am 18. Dezember 2017 endet ein Call for Collocated and Associated Events, zu dem RDA-Mitglieder Vorschläge für Satellitenveranstaltungen einreichen können.

Bei der RDA mitarbeiten? Die RDA-Einzelmitgliedschaft ist kostenlos.

KIT-Forscherin als „European Open Data Champion“ interviewt

Die Non-Profit-Organisation SPARC Europe, die sich für Open Access und Open Science einsetzt, hat im November 2017 auf ihrer Website mit „European Open Data Champions“ ein Interview mit Dr. Nicole Jung vom Karlsruher Institut für Technologie (KIT) veröffentlicht. Nicole Jung, die sich als Chemikerin für den offenen Zugang zu Forschungsdaten einsetzt, arbeitet an dem DFG-geförderten Datenrepositorium Chemotion, an dem außer Wissenschaftler/-innen auch die KIT-Bibliothek und das Steinbuch Centre for Computing (SCC) beteiligt sind.

Über das Repositorium ist es möglich, Datensätze zur Analytik und zu Reaktionsmechanismen zu veröffentlichen und mit einem Digital Object Identifier (DOI) zu versehen, der mit dazugehörigen Textpublikationen verlinkt werden kann. Als Teil des Chemotion-Projekts wird außerdem Software für ein elektronisches Laborbuch entwickelt, mit dem chemische Forschungsdaten auf möglichst einfache Weise in das Datenrepositorium abgelegt werden können.

Rückblick auf den DeepGreen-Workshop

Im November 2017 fand ein Workshop des DFG-geförderten Projekts DeepGreen an der Technischen Universität Berlin statt. Gemeinsam mit den Projektpartnern Kooperativer Bibliotheksverbund Berlin-Brandenburg (KOBV), Bibliotheksverbund Bayern (BVB) der Bayerischen Staatsbibliothek, den Universitätsbibliotheken der Friedrich-Alexander-Universität Erlangen-Nürnberg (FAU) und der Technischen Universität Berlin (TU Berlin) war das Helmholtz Open Science Koordinationsbüro an der Organisation des Workshops beteiligt.

In einem Impulsvortrag wurde der aktuelle Stand des Projekts vorgestellt und durch eine Praxisdemonstration an Hand von Screencasts ergänzt. In zwei Podiumsdiskussionen wurden Positionen und Perspektiven der Verlage sowie Perspektiven zur Ausweitung, insbesondere mit Blick auf Fachrepositorien und Forschungsinformationsdienste diskutiert. In Arbeitsgruppen wurden jeweils vier Fragenkomplexe zu den Themenschwerpunkten Status Quo, Governance, Zusammenarbeit und Perspektive gemeinsam erörtert. Teilnehmerinnen und Teilnehmer des Workshops kamen aus universitären und außeruniversitären Forschungseinrichtungen, aus dem Bereich der Informationsinfrastrukturen und Repositorien sowie aus Verlagen.

Hamburg Open Science

Der Hamburger Senat stellt zur Umsetzung des Programms „Hamburg Open Science“ für 2018 bis zu 2,9 Millionen Euro bereit. Ziel des Programms ist der Aufbau eines nutzerfreundlichen Internetportals, das wissenschaftliche Publikationen, Forschungsdaten und Informationen zu Forschungsprojekten, Open Access und Open Science zentral verfügbar macht. Zur Umsetzung sind folgende Programmlinien vorgesehen: Open-Access-Publikationen, Forschungsdatenmanagement, Forschungsinformationssysteme sowie die Gestaltung des digitalen Kulturwandels.

Think – Check – Submit: Checkliste für vertrauenswürdige Zeitschriften

Sogenannte „Predatory Journals“ sind eine negative Erscheinung des wissenschaftlichen Publizieren, deren Wachstum sich ein kürzlich in der Zeitschrift „Nature“ veröffentlichter Kommentar widmet. Bei „Predatory Journals“ handelt sich um Zeitschriften, die Forschende mit aggressiver Werbung zur Veröffentlichung auffordern, jedoch keinerlei Massnahmen der Qualitätssicherung sicherstellen und darüber hinaus Publikationsgebühren für dieses betrügerische Geschäftsgebaren erheben. Sie schädigen gleichzeitig den Ruf des Goldenen Wegs des Open Access und das Ansehen aller Wissenschaftsverlage.

Als nützliches Hilfsmittel zur Identifikation seriöser wissenschaftlicher Zeitschriften kann neben dem Directory of Open Access Journals die Webseite der Initiative „Think Check Submit“ dienen. Die durch Verlags- und Bibliotheksverbände unterstützte Initiative gibt Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftlern eine Checkliste an die Hand, mit der die Vertrauenswürdigkeit und Seriosität einer wissenschaftlichen Zeitschrift überprüft werden kann. Um Autorinnen und Autoren weltweit über die Problematik von „Predatory Journals“ aufzuklären, wurde die dreistufige Anleitung „Think Check Submit“ in zahlreiche Sprachen, unter anderem auch ins Deutsche übersetzt.

Jussieu-Appell für offene Wissenschaft und Bibliodiversität

Eine Gruppe von Open-Science-Aktivisten aus Frankreich hat im Oktober den Jussieu-Appell mit dem Ziel veröffentlicht, innerhalb der Wissenschaft eine Diskussion zur Transformation des wissenschaftlichen Kommunizierens anzustoßen. Aus ihrer Sicht ist die Diskussion aktuell zu einseitig auf die Durchsetzung APC-basierter Geschäftsmodelle fokussiert. Die Autorinnen und Autoren des Jussieu-Appells plädieren für eine breite Perspektive, bei der im Zusammenhang mit der Weiterentwicklung des wissenschaftlichen Kommunikationswesens z. B. auch über die Maßstäbe zur Bewertung wissenschaftlicher Leistung diskutiert wird.

Novellierung der EU-Urheberrechts-Richtlinie – Belange der Wissenschaft

Während wir noch bis zum 1. März 2018 auf das Inkrafttreten der letzten Novellierung des deutschen Urheberrechts warten, wird auf europäischer Ebene über die nächste Novellierung eben dieses Rechts verhandelt. Für die Wissenschaft ist dieser Gesetzgebungsprozess aus mindestens drei Gründen wichtig:

  1. Das geltende europäische Urheberrechtsgesetz, die InfoSoc-Richtlinie aus dem Jahr 2001, stellt es den Gesetzgebern der Mitgliedsstaaten frei, in ihr nationales Urheberrecht eine Schranke für Bildung und Wissenschaft einzufügen. Jetzt wird diskutiert, die Mitgliedstaaten zur Einfügung solch einer Schranke zu verpflichten.
  2. Ein zentrales Anliegen der Novellierung ist es, die Urheber bzw. die Intermediäre, die die Werke der Urheber vermarkten, stärker an den Gewinnen großer Internetplattformen, z. B. You Tube, zu beteiligen. Dafür sollen diesen Prüfpflichten auferlegt werden, damit über diese Plattformen urheberrechtlich geschützte Werke nicht mehr illegal verbreitet werden. Wenn die Definition, wem diese Prüfpflicht auferlegt werden soll, nicht präzise genug formuliert wird, könnte sie z. B. auch Repositorien betreffen.
  3. Im Zuge der letzten Novellierung wurde in das deutsche Urheberrecht eine Schranke eingefügt, die die Anfertigung vorübergehender Reproduktionen zum Zweck des Text- und Datamining erlaubnisfrei stellt. Eine entsprechende Schranke, deren Umsetzung durch die Mitgliedsstaaten Pflicht sein soll, wird auch für das europäische Urheberrecht vorgeschlagen. Aus der Perspektive der Wissenschaft sollte Text- und Datamining durch das Urheberrecht so wenig wie möglich behindert werden. Der Vorschlag für eine entsprechende Schranke wird deshalb im Grundsatz begrüßt, er geht jedoch nicht weit genug. Eine Gruppe von Mitgliedstaaten – zu der auch Deutschland gehört – hat deshalb einen Vorschlag zur Ausweitung dieser Schranke formuliert.

Die Europäische Kommission hatte bereits im September des letzten Jahres einen Gesetzesvorschlag hierzu veröffentlicht. Im Europäischen Parlament, das den Entwurf noch diskutiert, liegt die Federführung beim Rechtsausschuss (JURI). Dessen Bericht an das Plenum wird für Januar erwartet. Für die Einigung des Europäischen Rates als Ausgangsposition für die trilateralen Verhandlungen hat dessen Präsident Ende Oktober einen Kompromissvorschlag veröffentlicht.

Deklaration zur European Open Science Cloud veröffentlicht

Die Europäische Kommission hat Ende Oktober ihre EOSC Declaration zur European Open Science Cloud (EOSC) veröffentlicht. In diesem Dokument werden erste Vorstellungen zur Ausgestaltung der EOSC beschrieben. Betont wird u. a. die Bedeutung des Open Access zu Forschungsdaten, die im Rahmen der öffentlich geförderten Forschung entstehen („Open access by default“) sowie die pragmatische und technologieneutrale Anwendung der sogenannten FAIR-Prinzipien. Eine „Action List“ informiert darüber hinaus über erste mögliche Beiträge verschiedener Akteure zur Umsetzung der EOSC.

EU-Empfehlungen: Anerkennung für Open Science

Die von der Open Science Policy Platform der EU eingesetzte „Open Science Working Group on Rewards/Recognition“ hat vor kurzem ihren Bericht veröffentlicht. Darin werden verschiedene Empfehlungen für die Berücksichtigung von Open-Science-Kriterien für die Bewerberauswahl und die Evaluation von Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftlern sowie für die finanzielle Förderung von Forschungsvorhaben gegeben.

In einer „Open Science Career Assessment Matrix“ werden praktische Vorschläge gemacht, welche Open-Science-Aktivitäten für die Evaluation herangezogen werden könnten. Wissenschaftsinstitutionen und Forschungsförderorganisationen wird empfohlen, die bisherigen, oft rein bibliometrischen Verfahren für die Evaluation wissenschaftlicher Leistungen mit Open-Science-Kriterien zu ergänzen und auf diese Weise Anreize für die weitere Etablierung von Open Science zu setzen.

Literaturhinweise

Björk, B.-C. 2017: Growth of hybrid open access, 2009-2016. PeerJ 5: e3878. https://doi.org/10.7717/peerj.3878

Dallmeier-Tiessen, S. et al. 2017: Connecting data publication to the research workflow: a preliminary analysis. International Journal of Digital Curation 12: 88-105. https://doi.org/10.2218/ijdc.v12i1.533

Deverka, P.A. et al. 2017: Creating a data resource: what will it take to build a medical information commons? Genome Medicine 9: 84. https://doi.org/10.1186/s13073-017-0476-3

Ferwerda, E., F. Pinter & N. Stern 2017: A landscape study on open access and monographs. Policies, funding and publishing in eight European countries. Bristol: Knowledge Exchange. https://doi.org/10.5281/zenodo.815932

Graf, F.S. & D.H. Haux 2017: Verpflichtung zu Open Access – universitäres Publizieren der Zukunft? Sui generis 2017: 229-244. https://doi.org/10.21257/sg.46

McKiernan, E. C. 2017: Imagining the „open“ university: sharing scholarship to improve research and education. PLOS Biology 15: e1002614. https://doi.org/10.1371/journal.pbio.1002614

Mitchell, N. et al. 2017: Benefits and challenges of incorporating citizen science into university education. PLOS ONE 12: e0186285. https://doi.org/10.1371/journal.pone.0186285

Saunders, M.E. et al. 2017: Bringing ecology blogging into the scientific fold: measuring reach and impact of science community blogs. Royal Society Open Science 4: 170957. https://doi.org/10.1098/rsos.170957

Willinsky, J. & M. Rusk 2017: If funders and libraries subscribed to open access: the case of eLife, PLOS, and BioOne. PeerJ Preprints 5: e3392v1. https://doi.org/10.7287/peerj.preprints.3392v1

Impressum

Der Helmholtz Open Science Newsletter wird vom Helmholtz Open Science Koordinationsbüro herausgegeben.

Redaktion: Dr. Christoph Bruch, Heinz Pampel, Kaja Scheliga, Dr. Paul Schultze-Motel und Paul Vierkant

Kontakt: open-science@helmholtz.de

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