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Die Ausgaben 1-51 des Newsletters finden Sie im Archiv.

Helmholtz Open Science Newsletter vom 18.03.2015

Liebe Kolleginnen und Kollegen,

dies ist der 52. Helmholtz Open Science Newsletter, herausgegeben vom Helmholtz Open Science Koordinationsbüro. In diesem Newsletter geben wir Ihnen einen Überblick über die wichtigsten Entwicklungen zum Thema Open Science.

Sie finden den aktuellen Newsletter und das Archiv auf der Website des Helmholtz Open Science Koordinationsbüros.

Wir freuen uns, wenn Sie diesen Newsletter an Interessierte weiterleiten.

Offenlegung gezahlter Open-Access-Publikationsgebühren

Auf Initiative der Universitätsbibliothek Bielefeld und unterstützt durch die Deutsche Initiative für Netzwerkinformation (DINI) haben wissenschaftliche Einrichtungen in Deutschland begonnen Angaben über die von ihnen gezahlten Open-Access-Publikationsgebühren offenzulegen. Während im subskriptionsbasierten Publikationssystem durch „Big Deals“ und die von Verlagen diktierten Geheimhaltungserklärungen Unklarheit über die Mittelflüsse besteht, wird mit der Offenlegung der bezahlten Publikationsgebühren Transparenz geschaffen. Interessierte können sich über die Zahlungen der wissenschaftlichen Einrichtungen an Verlage einfach informieren und die Daten dank einer offenen Lizenz nachnutzen.

Bisher haben insgesamt 14 Hochschulen und außeruniversitäre Einrichtungen ihre Daten veröffentlicht, darunter auch drei Helmholtz-Zentren: das Forschungszentrum Jülich, das Deutsche GeoForschungsZentrum GFZ und das Karlsruher Institut für Technologie (KIT); weitere Helmholtz-Zentren werden folgen. Die Daten werden auf der Plattform GitHub dokumentiert und visualisiert. Ein Blog berichtet über die wachsende Zahl an teilnehmenden Einrichtungen. Die aggregierten Daten zeigen z. B., dass die beteiligten Einrichtungen im Durchschnitt 1217 Euro pro Open-Access-Artikel zahlen.

Ähnliche Initiativen finden u. a. auch in Großbritannien und Österreich statt. Ein aktueller Artikel von Morrison et al. gibt - auf Basis der Daten des Directory of Open Access Journals (DOAJ) - einen guten Überblick über die unterschiedlichen Typen von Open-Access-Publikationsgebühren.

Positionspapier zum Open-Access-Gold-Markt

Die Ad-hoc-AG Open-Access-Gold in der Schwerpunktinitiative „Digitale Information“ der Allianz der deutschen Wissenschaftsorganisationen hat im Februar „Positionen zur Schaffung eines wissenschaftsadäquaten Open-Access-Publikationsmarktes“ veröffentlicht. Das Positionspapier richtet sich an wissenschaftliche Einrichtungen, die sich mit dem Open-Access-Publizieren befassen. Es bündelt und bewertet die Anforderungen an Verträge nach dem Publikationskostenmodell, greift die Verknüpfung von Subskription und Open Access auf und gibt den Institutionen Anregungen zur Gestaltung ihrer Open-Access-Strategien.

Anliegen der Ad-hoc-AG Open-Access-Gold ist es, die Rahmenbedingungen der Transformation von Subskription zu Open Access aktiv mitzugestalten. Dazu werden zentrale Parameter des Open-Access-Publikationsmarktes analysiert und bewertet. Darüber hinaus befasst sich die AG mit den praktischen Herausforderungen rund um den Wandel des wissenschaftlichen Publikationswesens und eruiert die Chancen und Herausforderungen für den Abschluss von Verträgen über Open-Access-Publikationsgebühren.

Positionspapier „Research data at your fingertips“ veröffentlicht

Die Arbeitsgruppe Forschungsdaten in der Schwerpunktinitiative „Digitale Information“ der Allianz der deutschen Wissenschaftsorganisationen hat ihr Positionspapier „Research data at your fingertips“ veröffentlicht. Auch eine englische Version liegt vor.

Die Arbeitsgruppe Forschungsdaten umreißt in ihrem Positionspapier die aktuelle Praxis im Umgang mit Forschungsdaten und benennt sich daraus ergebende Herausforderungen. Sie gibt deutliche Empfehlungen für Änderungen im organisatorisch-finanziellen Bereich, ohne die sich eine adäquate Forschungsdateninfrastruktur in Deutschland nicht entwickeln wird.

FAQ zum Zweitveröffentlichungsrecht

Mit Beginn des Jahres 2014 trat das sogenannte Zweitveröffentlichungsrecht (§ 38 Abs. 4 UrhG) in Kraft. Mit dieser Regelung erhalten Urheberinnen und Urheber wissenschaftlicher Beiträge unter bestimmten Bedingungen das Recht diese Werke als Zweitveröffentlichung zu publizieren, auch wenn dieses Recht im mit dem Verleger der Erstpublikation geschlossenen Publikationsvertrag nicht vorgesehen sein sollte.

Der Gesetzestext ist leider schwer verständlich und auch für Fachleute sind beim Zweitveröffentlichungsrecht noch viele Fragen offen. Als Orientierung für Autorinnen und Autoren und für Personen, die diese in Wissenschaftsorganisationen beraten, hat die Schwerpunktinitiative „Digitale Information“ der Allianz der deutschen Wissenschaftsorganisationen jetzt „Frequently asked questions“ (FAQ) zum Zweitveröffentlichungsrecht veröffentlicht.

Ankündigung: Workshop zu aktuellen Resultaten der Research Data Alliance

Die Research Data Alliance (RDA) Deutschland veranstaltet in Zusammenarbeit mit der Deutschen Initiative für Netzwerkinformation (DINI) vom 28. bis 29. Mai 2015 einen Workshop am Karlsruher Institut für Technologie (KIT).

Organisiert durch das Helmholtz Open Science Koordinationsbüro hatte RDA Deutschland bereits im November 2014 am Deutschen GeoForschungsZentrum GFZ eine erste Konferenz veranstaltet, um über ihre Aktivitäten zu informieren. Dieser Interaktionsprozess soll nun ausgeweitet werden. Vier Arbeitsgruppen von RDA haben Ende 2014 erste Ergebnisse vorgelegt. Diese sollen in Karlsruhe vorgestellt und diskutiert werden. Darüber hinaus sollen mögliche deutsche Beiträge zur neuen Gruppe „Data Fabric“ eingebracht und diskutiert werden.

Novellierung der EU-Copyright-Richtlinie: Bedarf der Wissenschaft

Nach Jahren der Vorarbeit hat die neue EU-Kommission den Entscheidungsprozess für die Novellierung der Urheberrechts-Richtlinie unerwartet stark beschleunigt. Der Gesetzentwurf ist für den Spätsommer angekündigt und es sieht so aus, als würde er bis dahin tatsächlich fertig. Das Initiativrecht für EU-Gesetzgebung liegt allein bei der EU-Kommission. Gesetzentwürfe benötigen jedoch die Zustimmung des Europäischen Rates (Vertretung der Mitgliedstaaten) und des Europäischen Parlaments. Im Rechtsausschuss des Europäischen Parlaments wurde mit einem Bericht der Abgeordneten Julia Reda (Piratenpartei) zur Umsetzung der Urheberrechtsrichtlinie ein Entscheidungsprozess zur Bildung einer eigenen Position für die Verhandlungen mit dem Rat und der Kommission eingeleitet.

Die Organisation Copyright for Creativity hat ein Copyright-Manifest veröffentlicht, das einen guten Überblick über den Reformbedarf gibt und das auch für Laien verständlich ist. Eine deutsche Übersetzung wird demnächst veröffentlicht. Mit der The Hague Declaration wurde eine Stellungnahme veröffentlicht, die auf die Problematik Text- und Datamining und Urheberrecht fokussiert, eines der wesentlichen Themen des Reformprozesses. Zum gleichen Thema wird auch Science Europe ein Papier veröffentlichen.

Jetzt wird es wichtig sein auch national zu formulieren, welche Punkte bei diesem Gesetzgebungsprozess für die Wissenschaft wichtig sind. In der Digitalen Agenda der Bundesregierung wurde im letzten Jahr ein wissenschaftsfreundliches deutsches Urheberrecht angekündigt. Die europarechtlichen Rahmenbedingungen entscheiden zu einem wesentlichen Teil, wie dies eingelöst werden kann.

Geowissenschaftliche Datenpublikationen: Repositorien und Verlage vereinbaren Zusammenarbeit

Zahlreiche geowissenschaftliche Verlage, Datenrepositorien, Fachgesellschaften und Forschungsdatenverbünde haben im Januar 2015 in einer gemeinsamen Absichtserklärung angekündigt, beim offenen Zugang zu geowissenschaftlichen Forschungsdaten künftig stärker zusammenarbeiten zu wollen.

Zu den Zielen der Partner in der „Coalition for Publishing Data in the Earth and Space Sciences“ gehören die Förderung der Nachnutzung von Forschungsdaten und die Archivierung von Daten, Tools und Modellen. Geowissenschaftliche Forschungsdaten sollen nach Möglichkeit in disziplinären Repositorien verfügbar gemacht werden, Fachzeitschriften werden ermutigt, die Archivierung von Forschungsdaten entsprechend den fachspezifischen Regeln guter wissenschaftlicher Praxis zu unterstützen. Dabei wird auch auf die Joint Declaration of Data Citation Principles verwiesen. Für die Verlinkung von Datensätzen mit Publikationen sollen Digital Object Identifier (DOI) verwendet werden, die Verwendung weiterer persistenter Identifikatoren (z. B. ORCID, IGSN) wird empfohlen. Forschungsförderer werden aufgefordert, diese Ziele u. a. durch den Betrieb geeigneter Informationsinfrastrukturen zu unterstützen.

Förderung von Open Journal Systems in Deutschland

Bereits Anfang 2014 ist das durch die Deutsche Forschungsgemeinschaft (DFG) finanzierte Projekt „Nachhaltige OJS-Infrastruktur zur elektronischen Publikation wissenschaftlicher Zeitschriften“ gestartet. Ziel des bis 2016 laufenden Projekts ist es den Aufbau und den Betrieb wissenschaftlicher Zeitschriften an deutschen Hochschulen auf Basis von Open Journal Systems (OJS) zu fördern, einer Open-Source-Software zur Verwaltung und Veröffentlichung wissenschaftlicher Zeitschriften.

Neben der Vernetzung der deutschsprachigen OJS-Community sollen im Rahmen des Projekts neue Software-Funktionen entwickelt sowie die Bedienbarkeit und der Metadaten-Austausch verbessert werden. Dafür fand bis Mitte März 2015 eine Online-Umfrage unter OJS-Akteuren an Hochschulen statt. Laut dem Projekt gab es Ende 2014 mehr als 200 OJS-Installationen in Deutschland. Projektpartner sind das Center für Digitale Systeme der Freien Universität Berlin, die Universitätsbibliothek Heidelberg sowie das Kommunikations-, Informations-, Medienzentrum der Universität Konstanz.

NASA und weitere US-Behörden optieren für PubMed Central

In den USA hat die Raumfahrtbehörde NASA bekannt gegeben, dass Veröffentlichungen aus NASA-geförderten Forschungsprojekten künftig über das Repositorium PubMed Central im Open Access zur Verfügung gestellt werden sollen. Der Entscheidung vorangegangen war eine von der NASA in Auftrag gegebene unabhängige Analyse, die das von den National Institutes of Health (NIH) finanzierte PubMed Central, den „Public Access Gateway for Energy and Science“ (PAGES) der Energiebehörde DOE und das von der Verlagsindustrie propagierte „Clearinghouse for the Open Research of the United States“ (CHORUS) miteinander verglich. Als Ergebnis entschied die NASA sich nun für PubMed Central als Plattform für den offenen Zugang zu den von ihr geförderten Forschungsergebnissen.

Im „NASA plan for increasing access to the results of scientific research“ wird außerdem beschrieben, wie Forschungsdaten aus geförderten Projekten zur Nachnutzung zugänglich gemacht werden sollen. Von Antragstellern für NASA-Fördermittel wird künftig verlangt in einem Datenmanagementplan zu beschreiben, wie sie den offenen Zugang zu Forschungsdaten sicherstellen wollen, die aus dem geförderten Projekt entstehen. Die NASA will prüfen, wie zusammen mit anderen US-Regierungsstellen die Idee einer gemeinsamen „Forschungsdaten-Allmende“ verwirklicht werden kann.

Mit dem vorgelegten Plan kommt die NASA einer Vorgabe der Regierung nach, die 2013 in einem Memorandum die großen US-Bundesbehörden angewiesen hatte „Public Access Plans“ für den offenen Zugang zu Publikationen und Forschungsdaten aus geförderten Projekten zu entwickeln. Zahlreiche weitere Behörden haben solche Pläne fertiggestellt und wollen ebenfalls PubMed Central als Open-Access-Repositorium nutzen.

Beispiele für „Public Access Plans“ von US-Bundesbehörden:

Literaturhinweise

Aucock, J. 2014: Creating open access books: a partnership between a university library and a research centre. In: Ebooks in education. Realising the vision, S. 91-103. Herausg. von Hazel Woodward. London: Ubiquity Press. doi:10.5334/bal.j

Bertelmann, R. et al. 2014: Einstieg ins Forschungsdatenmanagement in den Geowissenschaften. Potsdam: Helmholtz-Zentrum Potsdam – Deutsches GeoForschungsZentrum GFZ / Bibliothek und Informationsdienste, Institut für Meteorologie der Freien Universität Berlin & Konrad-Zuse-Zentrum für Informationstechnik Berlin. doi:10.2312/lis.14.01

Brase, J., I. Sens & M. Lautenschlager 2015: The tenth anniversary of assigning DOI names to scientific data and a five year history of DataCite. D-Lib Magazine 21 (1/2). doi:10.1045/january2015-brase

Devenport, T. et al. 2015: Access and license indicators. A recommended practice of the National Information Standards Organization. Baltimore: National Information Standards Organization (NISO). http://www.niso.org/publications/rp/rp-22-2015 

Kratz, J.E. & C. Strasser 2015: Researcher perspectives on publication and peer review of data. PLOS ONE 10: e0117619. doi:10.1371/journal.pone.0117619

Mittermaier, B. 2015: Double Dipping beim Hybrid Open Access – Chimäre oder Realität? Preprint: http://informationspraxis.de/2015/02/04/open-peer-review-mittermaier-double-dipping-beim-hybrid-open-access-chimaere-oder-realitaet/

Pinfield, S., J. Salter & P.A. Bath 2015: The „total cost of publication“ in a hybrid open-access environment: institutional approaches to funding journal article-processing charges in combination with subscriptions. Preprint: http://eprints.whiterose.ac.uk/81227/ 

Ratnam, J. et al. 2014: The application of the Open Pharmacological Concepts Triple Store (Open PHACTS) to support drug discovery research. PLoS ONE 9: e115460. doi:10.1371/journal.pone.0115460

Soranno, P.A. et al. 2014: It’s good to share: why environmental scientists’ ethics are out of date. BioScience 65: 69-73. doi:10.1093/biosci/biu169

Impressum

Der Helmholtz Open Science Newsletter wird vom Helmholtz Open Science Koordinationsbüro herausgegeben.

Redaktion: Dr. Christoph Bruch, Heinz Pampel, Dr. Paul Schultze-Motel und Paul Vierkant

Kontakt: open-access@helmholtz.de

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