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Die Ausgaben 1-50 des Newsletters finden Sie im Archiv.

Helmholtz Open Science Newsletter vom 16.12.2014

Liebe Kolleginnen und Kollegen,

dies ist der 51. Helmholtz Open Science Newsletter, herausgegeben vom Helmholtz Open Science Koordinationsbüro. In diesem Newsletter geben wir Ihnen einen Überblick über die wichtigsten Entwicklungen zum Thema Open Science.

Sie finden den aktuellen Newsletter und das Archiv auf der Website des Helmholtz Open Science Koordinationsbüros.

Wir freuen uns, wenn Sie diesen Newsletter an Interessierte weiterleiten.

Rückblick: [sic!] Jülich / Helmholtz Open Science Workshop

Am 29. und 30.09.2014 fand am Forschungszentrum Jülich (FZJ) der Workshop „Open Access - nicht alles Gold was glänzt?“ statt, der gemeinsam von der Zentralbibliothek des Forschungszentrums Jülich und dem Helmholtz Open Science Koordinationsbüro veranstaltet wurde. Expertinnen und Experten aus Helmholtz-Zentren, Bibliotheken, Universitäten, Verlagen und Fachinstitutionen im In- und Ausland diskutierten über Geschäftsmodelle von Open-Access-Zeitschriften und Rahmenbedingungen für den „Goldenen Weg“ zum Open Access. Intensiv wurde der hybride Ansatz und seine Ausprägungen diskutiert. Als Ergebnis wurde der Konsens festgehalten, dass „hybrider Open Access“ in seiner momentanen Ausprägung keinen Weg für die Zukunft darstellt. Ein weiteres Thema war Open Access zu Monographien.

Im ersten Vortragsblock „Open Access und Wissenschaft“ berichtete unter anderem Dr. Christoph Holzke von der FZJ-Zentralbibliothek über die Nutzung von Open-Access-Zeitschriften im Forschungszentrum Jülich. Dr. Martin Köhler vom Deutschen Elektronensynchrotron DESY gab einen spannenden Einblick in die bisherigen Erfahrungen des SCOAP³-Konsortiums mit den Auswirkungen der Open-Access-Umwandlung von Zeitschriften auf Preisstrukturen. Dr. Bernhard Mittermaier vom FZJ fasste als Gastgeber am Ende des zweiten Tages die Ergebnisse des Workshops zusammen.

Die Präsentationen des Workshops stehen im Repositorium JuSER des Forschungszentrums Jülich als PDF-Dateien zum Herunterladen zur Verfügung.

Rückblick: RDA-Deutschland-Treffen

Seit knapp zwei Jahren arbeiten Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler aus der gesamten Welt im Rahmen der Research Data Alliance daran, für die konkrete Umsetzung von Open Science praktische Lösungen zu entwickeln. Im November dieses Jahres wurde erstmals ein RDA-Deutschland-Treffen organisiert. Es sollte sowohl als Schaufenster für Interessierte dienen, die die RDA noch nicht kennen, als auch die Vernetzung der deutschen RDA-Aktiven befördern.

Am Helmholtz-Zentrum Potsdam - Deutsches GeoForschungsZentrum GFZ wurden deutsche und internationale Open-Data-Projekte präsentiert und darüber diskutiert, wie deutsche Forschungsförderer Open Science unterstützen können. Angehörige des Programmkomitees der Veranstaltung haben ihr Resümee in einem Bericht zusammengefasst.

10 Jahre KIT Scientific Publishing

Der größte Verlag einer deutschen Wissenschaftsorganisation feiert dieses Jahr sein 10-jähriges Bestehen - Glückwunsch!

Als Reaktion auf die Preispolitik kommerzieller Wissenschaftsverlage und dem Ruf nach Möglichkeiten für Open-Access-Publizieren von Büchern wurde im Jahr 2004 an der Universität Karlsruhe der Karlsruher Universitätsverlag gegründet. Im Jahr 2009 fusionierte der Universitätsverlag im Zuge der KIT-Gründung mit den Verlagsaktivitäten des damaligen Forschungszentrums. Unter dem Namen KIT Scientific Publishing steht der Verlag seitdem allen Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftlern des KIT zur Verfügung.

Bis heute hat der Verlag 1300 Monographien, Lehrbücher und Tagungsbände verlegt. Sein gesamtes Verlagssortiment wird sowohl in gedruckter Form über den Buchhandel verkauft, als auch elektronisch in einer Open-Access-Version im Internet publiziert (s. Newsletter 47). Dabei wahrt der Verlag in besonderem Maße die Rechte der Autorinnen und Autoren: diese verbleiben vollständig bei den Urhebern.

Open-Access-Strategie für Schleswig-Holstein

Im November hat die Landesregierung von Schleswig-Holstein eine Open-Access-Strategie für das Land veröffentlicht. Nach Baden-Württembergs e-Science-Strategie unterstützt damit eine zweite Landesregierung die Entwicklung in Richtung Open Science. Nach einem Beschluss des Berliner Abgeordnetenhauses ist in absehbarer Zeit auch aus Berlin mit einer ähnlichen Strategie zu rechnen. Die Landesregierung von Schleswig-Holstein baut ihre Strategie auf vier Säulen auf:

  1. Kommunikation mit allen Betroffenen,
  2. infrastrukturelle Unterstützung,
  3. Beratung einschließlich Rechtsberatung,
  4. finanzielle Unterstützung in Form eines Publikationsfonds besonders für Nachwuchswissenschaftler.

Sie betont in ihrer Strategie, dass die genannten konkreten Schritte den Beginn einer längerfristigen Entwicklung markieren, die zukünftig auch die Verbesserung der Nachnutzungsmöglichkeiten von Forschungsdaten einschließen soll. Für die Evaluierung und Weiterentwicklung der Strategie wird ein Lenkungsausschuss eingesetzt. Ab dem Jahr 2018 wird mit Hilfe von Zielwerten der Erfolg für eine Implementation der Strategie gemessen.

Gates-Stiftung führt weitreichende Open-Access-Verpflichtung ein

Die Bill & Melinda Gates Foundation hat bekannt gegeben, dass Veröffentlichungen aus stiftungsgeförderten Forschungsprojekten ebenso wie die zugrunde liegenden Forschungsdaten künftig sofort und ohne Einschränkung frei zugänglich gemacht werden sollen. Diese Open-Access-Verpflichtung gilt ab 2015, zunächst noch mit der Einschränkung, dass in einer Übergangszeit bis 2017 Publikation und Daten erst nach einer Wartezeit von bis zu 12 Monaten nach der Veröffentlichung offen zur Verfügung stehen sollen.

Die Publikationen sollen unter einer CC-BY-4.0-Lizenz veröffentlicht werden und damit in jeder Weise, z. B. für Textmining nachnutzbar sein. Für die Veröffentlichung in Open-Access-Zeitschriften wird die Stiftung „angemessene“ Publikationsgebühren übernehmen. Die Bill & Melinda Gates Foundation ist die mit Abstand größte private Stiftung und engagiert sich außer für Entwicklungsprojekte vor allem für die medizinische Forschung.

Nature: Überwachung statt „dark sharing“

Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler geben regelmäßig Kopien von Artikeln an Kollegen ohne entsprechenden Zugang weiter. Die Nature Publishing Group bewirbt seit Kurzem ihr Mittel gegen dieses „dark sharing“: „We know researchers are already sharing content, often in hidden corners of the Internet … we have the technology to provide a … legitimate alternative …“, sagte Timo Hannay, Managing Director of Digital Science. Angehörige von Institutionen mit Zugang zu den elektronischen Zeitschriften der Nature Publishing Group können diese Artikel ab jetzt Dritten mit Hilfe eines Links im Nur-Lese-Modus zugänglich machen. Die gleiche Option erhalten 100 Medien.

Die Nutzung dieses Angebotes ist jedoch mit dem gravierenden Nachteil verbunden, dass sie mit der Zustimmung zu einer umfassenden Überwachung des Nutzungsverhaltens einhergeht. Realisiert wird die Zugänglichmachung mit der Digital-Rights-Managementsoftware Read Cube, ein Produkt der Macmillan Publishing Group, zu der Nature gehört. Die Personen, die einen Link erzeugen wollen, der den Zugang ermöglicht, müssen sich bei Read Cube registrieren. Innerhalb von Read Cube ist es möglich, die Artikel mit Anmerkungen zu versehen. Über Read Cube kann Macmillan nachvollziehen, wer, auf wessen Empfehlung, wann und wie einen Artikel nutzt. Rechtemanagementsoftware wie Read Cube zeichnet detailliert alle Nutzungsdaten auf - Open Science sieht anders aus.

Sonderausgabe von „Learned Publishing“ zu Forschungsdaten

Anlässlich der vierten Plenartagung der Research Data Alliance (RDA) im September 2014 hat die von der Association of Learned and Professional Society Publishers herausgegebene Zeitschrift „Learned Publishing“ eine Sonderausgabe zu Forschungsdaten veröffentlicht.

Unter den Beiträgen aus den Blickwinkeln verschiedener Anspruchsgruppen ist u. a. ein Übersichtsartikel von Andrew Treloar zur Geschichte und den Aufgaben von RDA. Sarah Callaghan gibt in ihrem Beitrag Hinweise zur Zitierung und Verlinkung von Forschungsdaten mit den dazugehörigen Publikationen. Lesenswert ist auch ein Bericht von Hazel Norman über die Erfahrungen der British Ecological Society (BES) mit der Anfang 2014 eingeführten Verpflichtung für Autorinnen und Autoren, die zu einer Publikation in BES-Zeitschriften gehörenden Forschungsdaten in einem Datenrepositorium zu archivieren.

Entfristung von § 52a UrhG: Auftakt zu Verhandlungen für eine Wissenschaftsschranke

Der § 52a UrhG ist Teil einer urheberrechtlichen Schranke (= Einschränkung des urheberrechtlichen Schutzes), die eine genehmigungsfreie Nutzung urheberrechtlich geschützter Werke „ausschließlich für den bestimmt abgegrenzten Kreis von Unterrichtsteilnehmern“ für Lehre und Forschung regelt. Die Regelung war auf Druck der Verlagslobby zuletzt jahresweise befristet worden und ist für Lehrende und Forschende schwer verständlich und nachvollziehbar, da zahlreiche Ausnahmen greifen und sie erst nach einer Reihe von Gerichtsurteilen und auch nur für Fachjuristen einigermaßen verständlich wurde. Diese Befristung wurde jetzt aufgehoben. Sowohl im Gesetzentwurf zur Entfristung, als auch in großen Teilen der Aussprache anlässlich seiner 2. und 3. Lesung) erfährt der § 52a durchaus auch eine positive Bewertung. Gleiches gilt für den Bericht des Justizministeriums zu § 52a des Urheberrechtsgesetzes. Einigkeit besteht jedoch bei allen im Bundestag vertretenen Parteien hinsichtlich der Notwendigkeit den geltenden Flickenteppich an Regelungen durch eine Wissenschaftsschranke zu ersetzen.

Aus der Sicht der Allianz der deutschen Wissenschaftsorganisationen ist die Entfristung deshalb lediglich der Auftakt für die Verhandlungen um eine Wissenschaftsschranke, die ihrem Namen gerecht wird. Großen Einfluss auf die weitere Diskussion wird ein Gutachten von Prof. Katharina de la Durantaye zu den Möglichkeiten der Ausgestaltung einer Bildungs- und Wissenschaftsschranke haben. Das Gutachten orientiert sich an den Grenzen des Handlungsspielraumes, die dem deutschen Gesetzgeber durch europäisches Recht gesetzt werden. Aus der Perspektive der Wissenschaft würden die von de la Durantaye vorgeschlagenen Normen deshalb gegenüber der geltenden Rechtslage lediglich geringfügige Verbesserungen bringen. Einen Schritt weiter geht das Aktionsbündnis "Urheberrecht für Bildung und Wissenschaft". Es hat einen konkreten Vorschlag für eine Bildungs- und Wissenschaftsklausel vorgelegt.

In Brüssel wird bereits seit einiger Zeit an einer Novellierung der InfoSoc-Richtlinie gearbeitet. Diese Novellierung bietet die Chance a) die Wissenschaftsschranke weiter auszugestalten, als es den nationalen Gesetzgebern der EU-Mitgliedstaaten möglich ist und b) das in Europa geltende Urheberrecht stärker zu harmonisieren.

EU-Projekt PASTEUR4OA zur Harmonisierung von Open-Access-Policies

Das EU-Projekt PASTEUR4OA hat das Ziel, europaweit zu einer Harmonisierung von Open-Access-Policies beizutragen. Eine Harmonisierung orientiert an der Open-Access-Policy innerhalb von Horizon2020 würde es den betroffenen Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftlern und den für das Open-Access-Publizieren wichtigen Infrastrukturen erheblich erleichtern, an sie gestellte Anforderungen zu erfüllen.

PASTEUR4OA möchte seine Ziele mit der Unterstützung eines Netzwerkes von einem zentralen Ansprechpartner pro Land, so genannten „Key Nodes“, erreichen. Das Helmholtz Open Science Koordinationsbüro nimmt diese Rolle für Deutschland wahr und versteht sich als Bindeglied zwischen dem Projekt und der Schwerpunktinitiative „Digitale Information“ der Allianz der deutschen Wissenschaftsorganisationen.

Ein interessantes erstes Produkt von PASTEUR4OA ist eine standardisierte Klassifizierung von über 600 Open-Access-Policies. Die Ergebnisse dieser Klassifizierung können über die Website Registry of Open Access Repository Mandates and Policies eingesehen werden.

Literaturhinweise

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Impressum

Der Helmholtz Open Science Newsletter wird vom Helmholtz Open Science Koordinationsbüro herausgegeben.

Redaktion: Dr. Christoph Bruch, Heinz Pampel und Dr. Paul Schultze-Motel

Kontakt: open-access@helmholtz.de

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