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Die Ausgaben 1-48 des Newsletters finden Sie im Archiv.

Helmholtz Open Science Newsletter vom 12.06.2014

Liebe Kolleginnen und Kollegen,

dies ist der 49. Helmholtz Open Science Newsletter (bisher Helmholtz Open Access Newsletter), herausgegeben vom Helmholtz Open Science Koordinationsbüro. In diesem Newsletter geben wir Ihnen einen Überblick über die wichtigsten Entwicklungen zum Thema Open Access.

Sie finden den aktuellen Newsletter und das Archiv auf der Website des Helmholtz Open Science Koordinationsbüros.

Wir freuen uns, wenn Sie diesen Newsletter an Interessierte weiterleiten.

Von Open Access zu Open Science

Dieser Newsletter beginnt mit einem Hinweis in eigener Sache: aus dem Helmholtz Open Access Koordinationsbüro wird das Helmholtz Open Science Koordinationsbüro. In der Namensänderung spiegelt sich die Erweiterung des offenen Zugangs zu wissenschaftlichen Publikationen (Open Access) um den Zugang zu Forschungsdaten und offener (Open Source) wissenschaftlicher Software. Der Begriff Open Science umfasst aber auch die Öffnung des gesamten Wissenschaftsprozesses im Sinn einer „intelligent openness“ (Boulton, G. et al. 2012: Science as an open enterprise. London: Royal Society).

Die Helmholtz-Gemeinschaft fördert Open Science, also den offenen Zugang zu wissenschaftlichem Wissen, seine Verifizierbarkeit und Nachnutzbarkeit sowie seinen Transfer in die Gesellschaft und setzt damit einen Prozess fort, der 2003 mit der Erstunterzeichnung der „Berliner Erklärung über den offenen Zugang zu wissenschaftlichem Wissen“ begann. Um die Entwicklung hin zu Open Science zu fördern, ist es notwendig, exzellente Rahmenbedingungen für digitale Wissenschaft zu schaffen.

Das Helmholtz Open Science Koordinationsbüro wird wie bisher Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler an den Helmholtz-Zentren bei der Umsetzung des offenen Zugangs zu ihren Forschungsergebnissen unterstützen und beraten, die Akteure innerhalb der Helmholtz-Gemeinschaft vernetzen und die Helmholtz-Gemeinschaft im Dialog mit den Zentren und der Geschäftsstelle in nationalen und internationalen Gremien vertreten.

Helmholtz-Zentren schließen weitere Verträge mit Open-Access-Verlagen

Um ihren Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftlern das Publizieren in Open-Access-Zeitschriften und den Umgang mit Publikationsgebühren weiter zu erleichtern, haben mehrere Helmholtz-Zentren Verträge mit den Open-Access-Verlagen PLOS (Public Library of Science) und MDPI geschlossen. Gegenstand der Verträge sind teils gebündelte Abrechnung, teils Rabatte der Publikationsgebühren, die bei der Veröffentlichung in den Zeitschriften der beiden Verlage für die Autorinnen und Autoren anfallen. Die Zeitschriften beider Verlage erscheinen unter der offenen CC-BY-Lizenz, die eine freie Nachnutzung der Inhalte z. B. für Textmining ermöglicht.

Ein Ziel der Helmholtz-Gemeinschaft ist es, Open-Access-Publikationen zu fördern. Ähnliche Vereinbarungen wie die beiden jetzt mit PLOS und MDPI geschlossenen Verträge existieren bereits für Zeitschriften der Open-Access-Verlage Copernicus Publications, Wiley Open Access, Springer Open und BioMed Central sowie für die Open-Access-Zeitschrift New Journal of Physics. Auf der Website des Helmholtz Open Science Koordinationsbüros findet sich eine aktuelle Liste der Verträge von Helmholtz-Zentren mit Open-Access-Verlagen. Zusätzlich werden für Autorinnen und Autoren aus dem Fachgebiet Physik die Publikationsgebühren für eine Reihe wichtiger Zeitschriften zentral durch das SCOAP³-Konsortium getragen.

Webinar „Open access publishing at DZNE – an introduction“

Gemeinsam mit der Bibliothek des Deutschen Zentrums für Neurodegenerative Erkrankungen (DZNE) bietet das Helmholtz Open Science Koordinationsbüro ein einführendes Webinar zum Open-Access-Publizieren an. Die interne Veranstaltung richtet sich vor allem an Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler am DZNE, Interessent/-innen aus anderen Helmholtz-Zentren und Einrichtungen der Helmholtz-Gemeinschaft sind ebenfalls zur Teilnahme eingeladen.

Im Anschluss an die Webpräsentation am 18. Juni 2014 mit einer Wiederholung am 24. Juni 2014 ist jeweils eine Diskussion im Livechat vorgesehen. Eine Anmeldung für das Webinar ist noch für beide Termine möglich.

Save the date: [sic!] Jülich / Helmholtz Open Science Workshop

Das Helmholtz Open Science Koordinationsbüro und die Zentralbibliothek des Forschungszentrums Jülich freuen sich den gemeinsamen [sic!] Jülich / Helmholtz Open Science Workshop „Open Access - nicht alles Gold was glänzt?“ anzukündigen. Der Workshop wird vom 29. bis 30. September 2014 am Forschungszentrum Jülich (FZJ) stattfinden.

Schwerpunktthema der Veranstaltung sind Geschäftsmodelle von Open-Access-Zeitschriften und Rahmenbedingungen für den „Goldenen Weg“ zum Open Access. Eine Sitzung ist für das Thema „Open Access zu Monographien“ vorgesehen.

Zielgruppe dieses Workshops sind Interessierte aus Bibliotheken und dem Infrastrukturbereich, aus der Wissenschaft und aus dem Bereich Wissenschaftsmanagement in der Helmholtz-Gemeinschaft. Kurze Vorträge sollen die Diskussionen anregen, im Mittelpunkt steht jedoch der Dialog unter den Teilnehmerinnen und Teilnehmern. Erste Informationen zum Programm finden sich auf den Webseiten der FZJ-Zentralbibliothek, eine Anmeldung ist in Kürze möglich.

Urheberrecht: allgemeine Bildungs- und Wissenschaftsschranke

Seit Jahren fordert die Allianz der deutschen Wissenschaftsorganisationen eine wissenschaftsfreundlichere Gestaltung des deutschen Urheberrechtes. Ein Resultat dieser Bemühungen war das zum Ende der vergangenen Legislaturperiode beschlossene Zweitveröffentlichungsrecht, das die Nutzung des Grünen Weges zum Open Access absichern soll. Offen ist die Formulierung einer Wissenschaftsschranke, die die Bundesregierung für die Legislaturperiode in Aussicht gestellt hat. Als Schranken werden im Urheberrecht Regelungen bezeichnet, die unter speziell festgelegten Umständen eine genehmigungsfreie Nutzung urheberrechtlich geschützter Werke erlauben. In der Regel sind diese Schranken mit einer pauschalen Vergütung an die Verwertungsgesellschaften verbunden.

Was mit der Wissenschaftsschranke erreicht werden soll, ist politisch umstritten. Im Interesse der Wissenschaft liegen eine Zusammenfassung, Vereinfachung und Erweiterung der geltenden Ausnahmeregelungen für Bildung und Wissenschaft. Die Allianz der Wissenschaftsorganisationen hatte zuletzt im Juli 2011 einen konkreten Vorschlag für eine Schranke für Bildung und Wissenschaft gemacht. (s. Neuregelung des Urheberrechts: Anliegen und Desiderate für einen dritten Korb, S. 8)

Jetzt wurde die Diskussion um die Ausgestaltung der Wissenschaftsschranke durch die Vorstellung eines vom Bundesministerium für Bildung und Wissenschaft in Auftrag gegebenen Gutachtens neu belebt. Der Vorschlag der Gutachterin Prof. Dr. Katharina de la Durantaye zeichnet sich durch den Ansatz aus, die geltenden Regelungen nicht nur zusammenzufassen, sondern sie flexibler zu formulieren. Dies gäbe den Gerichten mehr Spielraum bei der Interpretation der Norm und würde dem Interesse an mehr Anpassungsfähigkeit an die sich schnell entwickelnden technischen Rahmenbedingungen Rechnung tragen.

Norweger offen für Nachnutzung von Forschungsdaten

Ein vom norwegischen Forschungsrat, der nationalen Forschungsförderorganisation in Norwegen in Auftrag gegebene Studie kommt zu dem Ergebnis, dass die große Mehrheit der etwa 1500 befragten norwegischen Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler schon einmal von anderen erhobene Forschungsdaten nachgenutzt hat oder dies künftig gerne tun würde. 80 % der Befragten waren der Meinung, dass offener Zugang zu Forschungsdaten der Wissenschaft dient, 77 % sahen Vorteile für die Nutzung in der Lehre und 74 % für die Förderung der Zusammenarbeit in der Forschung.

Obwohl die meisten Wissenschaftler gerne Daten von Kollegen für die eigene Forschung nutzen würden, waren einige skeptisch, was die Bereitstellung eigener Forschungsdaten für die Nachnutzung angeht. Als Haupthindernisse wurden Zeitmangel, das Fehlen einer geeigneten technischen Infrastruktur und die mögliche Beeinträchtigung eigener Publikationen angegeben. Als Lösungsmöglichkeiten empfiehlt die Studie eine bessere Infrastruktur, ein geeignetes Zitiersystem und Angebote von Empfehlungen, Richtlinien und Fortbildungen für die Nachnutzung von Forschungsdaten.

Sharing and archiving of publicly funded research data. Report to the Research Council of Norway, 2014. Copenhagen & Oslo: DAMVAD. http://www.forskningsradet.no/en/Newsarticle/Norwegian_researchers_willing_to_share_research_data/1253996461347/p1177315753918

Gründung der Authors Alliance in den USA

In der Diskussion um die Open-Access-Regelungen öffentlicher Institutionen nehmen Verbände der Rechte verwertenden Industrie regelmäßig für sich in Anspruch, die Interessen der Urheber zu vertreten. Die Verbände gehen dabei von der Prämisse aus, die Interessen der Urheber seien auf die Optimierung der Vermarktungsmöglichkeiten ihrer Werke fokussiert. Für die große Mehrheit der Urheber wissenschaftlicher Publikationen trifft diese Annahme nicht zu. Sie erhalten für ihre Veröffentlichungen keine oder sehr geringe Honorare. Ihre Honorierung ergibt sich aus dem Renommee, das sie durch ihre Publikationen aufbauen und das Grundlage für ihre wissenschaftliche Karriere ist. Ihr Interesse gilt deshalb primär der Sichtbarkeit und der Möglichkeit einer Nachnutzbarkeit ihrer Werke.

In den USA wurde deshalb jetzt mit der Authors Alliance ein Verband zur Vertretung der Interessen von Autoren gegründet, die nicht vom Verkauf ihrer Werke leben.

USA: Nutzung der CC0-Kennzeichnung für die Veröffentlichung von Forschungsdaten

Aus dem im Mai veröffentlichten U.S. Open Data Action Plan geht hervor, dass einige öffentliche Forschungseinrichtung die Creative-Commons-Option CC0 für die Veröffentlichung bestimmter „Forschungsdaten“ nutzen bzw. dies planen:

Institution

Daten

Smithsonian Cooper-Hewitt National Design Museum Collection

Abbildungen, Metadaten

Smithsonian Freer Gallery of Art and Arthur M. Sackler Gallery Collections

Abbildungen, Metadaten

Famine Early Warning Systems Network

Daten zur Nahrungsmittelversorgung

Adverse Event Reporting System

Berichte zu Nebenwirkungen von Medikamenten

Energy Production and Consumption for the United States

Daten zum Energieverbrauch

 

Bei der Nachnutzung von Forschungsdaten, z. B. im Rahmen der Aggregation einer großen Anzahl von Datenbeständen in einer neuen Datenbank und deren nachfolgender Auswertung, stehen die Wissenschaftler vor der Herausforderung das für sie zentrale Prinzip der Benennung ihrer Quellen bzw. deren Urheber zu gewährleisten. Dies gilt insbesondere, wenn aggregierte Datensammlungen ihrerseits bereits Zusammenstellungen der Quellen einer Vielzahl von Autoren sind.

Eine mögliche Lösung für diese Problematik ist eine Trennung der Anforderungen für gute wissenschaftliche Praxis von der urheberrechtlichen Anforderung zur vollständigen Quellenangabe. Dies wird ermöglicht, wenn Forschungsdaten mit der „Public Domain Mark“ CC0 verknüpft werden. Mit dieser Kennzeichnung erklären die Urheber den Verzicht auf alle ihre Urheber- und Urheberpersönlichkeitsrechte sowie alle ihre verwandten Schutzrechte an dem betreffenden Werk. Es liegt dann in der Verantwortung der Wissenschaft eigenständig eine angemessene Umgehensweise mit dem Interesse der Autoren an ihrer Nennung zu entwickeln und durchzusetzen.

Nach europäischem Urheberrecht ist die Aufgabe der sogenannten sozialen Urheberrechte, zu denen auch das auf vollständige Quellenangabe gehört, nicht möglich. Ob und gegebenenfalls wie auch im europäischen Rechtsrahmen eine Nutzung der CC0-Kennzeichnung möglich ist, wird sicherlich noch intensiv diskutiert werden.

Literaturhinweise: Open Access

Egloff, W. et al. 2014: Open exchange of scientific knowledge and European copyright: the case of biodiversity information. ZooKeys 414: 109–135. doi:10.3897/zookeys.414.7717

Fruin, C. & F. Rascoe 2014: Funding open access journal publishing. Article processing charges. College & Research Libraries News 75: 240–243. http://crln.acrl.org/content/75/5/240

Laakso, M. 2014: The past, present & future of Open Access. ScieCom Info 10 (1). http://journals.lub.lu.se/index.php/sciecominfo/article/view/10236

Solomon, D.J. 2014: A survey of authors publishing in four megajournals. PeerJ 2: e365. doi:10.7717/peerj.365

Literaturhinweise: Forschungsdaten

Duke, C.S. & J.H. Porter 2013: The ethics of data sharing and reuse in biology. BioScience 63: 483–489. doi:10.1525/bio.2013.63.6.10

Ganley, E. 2014: PLOS data policy. Catalyst for a better research process. College & Research Libraries News 75: 305–308. http://crln.acrl.org/content/75/6/305

Goodman, A. et al. 2014: Ten simple rules for the care and feeding of scientific data. PLoS Computational Biology 10: e1003542. doi:10.1371/journal.pcbi.1003542

Kratz, J. & C. Strasser 2014: Data publication consensus and controversies. F1000Research 3: 94. doi:10.12688/f1000research.4518

Management von Forschungsdaten - eine zentrale strategische Herausforderung für Hochschulleitungen. Empfehlung der 16. Mitgliederversammlung der HRK am 13. Mai 2014 in Frankfurt am Main. http://www.hrk.de/uploads/tx_szconvention/HRK_Empfehlung_Forschungsdaten_13052014_01.pdf

Strasser, C. et al. 2014: DataUp: a tool to help researchers describe and share tabular data. F1000Research 3: 6. doi:10.12688/f1000research.3-6.v1

Impressum

Der Helmholtz Open Access Newsletter wird vom Helmholtz Open Science Koordinationsbüro herausgegeben.

Redaktion: Dr. Christoph Bruch, Heinz Pampel und Dr. Paul Schultze-Motel

Kontakt: open-access@helmholtz.de

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