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Helmholtz Open Access Newsletter vom 21.04.2006 (Ausgabe 4)

Liebe Kolleginnen und Kollegen,

Dies ist der vierte Helmholtz Open Access Newsletter mit dem Themenschwerpunkt "Berlin 4 Konferenz", herausgegeben vom Helmholtz Open Access Project. Sie finden den aktuellen Newsletter und das Archiv jederzeit auf dem Portal "Helmholtz Open Access Projekt".

Wir freuen uns, wenn Sie diesen Newsletter an Interessierte in ihrem Zentrum weiterleiten.

Generelle Bemerkungen über die Berlin 4 Konferenz

Es gab in Golm, bei der sogenannten "Berlin4"-Konferenz kein so durchgehendes Thema, wie bei der Berlin3-Konferenz in Southampton. Dort ging es hauptsächlich noch darum, zu erklären, dass man Policies benötigt, um Open Access herbeizuführen sowie um die Frage "Grün oder Gold, was ist die richtige Strategie?".

 

Nur ein Jahr später, in den Berlin4-Vorträgen, wird deutlich, dass es mittlerweile die verschiedensten Policies gibt, die sich nur nach Stärke, Anzahl der betroffenen Wissenschaftler und Geschwindigkeit der Entwicklung unterscheiden. Aus der Sicht der Geldgeber berichteten Suber: NIH, US Congress; Terry: Wellcome Trust; Fournier: DFG. Aus institutioneller bzw nationaler Sicht z.B. Mehlhorn: MPG und Romary: CNRS.

 

Die implizite Antwort auf die Strategiefrage war in Golm: Grün und Gold! Wobei die Frage der taktischen oder strategischen Reihenfolge sicher für jede wissenschaftliche Disziplin anders beantwortet werden kann. Voss (CERN) zeigte ja letztlich, wie aus einer sehr reifen "Grün"-Lösung (ArXiv) die Möglichkeit erwächst, klassische Subskriptions-Verlage zu einer OA-Lösung zu "überreden".

 

Über die Frage hinaus, ob Grün oder Gold "funktioniert" - finanziell oder von der Füllung der Repositories her - oder funktionierend gemacht werden kann, gab es eine Reihe von Vorträgen, die Vorteile spezifischer Implementierungen von OA-Journalen und Repositories schilderten. Hier ragten sicher die Vorträge von Poeschl (Atmospheric Chemistry and Physics), Bodenschatz (New Journal of Physics) und Romary (Hyper Article en Ligne) vor allem mit guter akademischer Motivation, aber auch mit praktischen Tipps heraus.

 

Das vielleicht überraschendste am Gesamtbild der Konferenz war aber, dass mindestens wohl ein Drittel des Gewichts beim offenen Zugang zu Daten lag. Während der Session über Cultural Heritage konnte man den Eindruck gewinnen, dass dies die einzig relevante Form von Open Access für "Humanities and Social Sciences (HSS)" wäre. Allerdings werden die Sciences durchaus von manchen Begriffsbildungen oder Techniken aus diesem Bereich lernen können ("Annotation"), so wie diese das Konzept des Virtual Observatory nützlich fanden (Renn). Als Nicht-Mitglied der HSS-Community konnte man den Eindruck eines stattfindenden Paradigmenwechsels gewinnen.

 

Die Bedeutung des offenen Zugangs - zu Daten oder Texten - für neue wissenschaftlich Erkenntnis wurde durch die Vorträge zu automatischer Verlinkung und Analyse von Publikationen hervorgehoben (Wilbanks, Jensen) und die Beschreibung der Aktivität in einem wissenschaftlich und praktisch wichtigen Bereich, Biodiversitätsforschung (Weitzman).

(HP)

 

http://berlin4.aei.mpg.de/program.html

 

Open Access in Developing Countries (30.03.2006)

Am Donnerstagmittag ging es um Open Access in Entwicklungsländern. Dabei erläuterte Melissa Hagemann (Budapester Open Access Initiative) Näheres über das Open Access Projekt des Open Society Institut (OSI). Insbesondere erwähnte sie das Projekt eIFL.net, welches nationale Bibliotheken in 55 Entwicklungsländern miteinander verknüpft und unterstützt. 9 Ländern (Russland, Serbien, China, Südafrika, Polen, Ukraine, Litauen, Zimbabwe, Mazedonien ) empfingen aus diesem Projekt heraus bereits konkrete Hilfe durch Workshops, Seminare zum Citation Impact, Konferenzen sowie die Entwicklung eines Institutional Repository. Überdies entstand im September 2005, u.a. durch Unterstützung des OSI, die Salvador Declaration on Open Access, welche die Perspektive der Entwicklungsländer beschreibt.

M. Hagemann: OSI and eIFL's Open Access Programs in developing countries

http://berlin4.aei.mpg.de/presentations/Hagemann_OA06.pdf

 

Jennifer De Beer informierte über die OA Entwicklungen in Südafrika. Private Unternehmen stellen dort im Moment die größten Geldgeber für den Bereich R&D dar, jedoch knapp gefolgt von der öffentlichen Hand. In 2005/06 verfügt SA über 5 Open Access Journals und 6 Institutional Repoitories, wobei 2 davon Open Access publizieren. Die Open Access Working Group SIVULILE organisiert u.a. Workshops und Konferenzen. Die Rhodes Universität betreibt seit Februar 2006 das erste IR (alle Inhalte sind OA). Das HSRC (Human Science Research Council) stellt bereits mehr als 200 Dokumente als pdf-Dateien zur Verfügung. Trotz der starken Gegenargumente, wie ungenügender Bandbreite (Übertragungsleistung, Verfügbarkeit) dürfe man die OA Initiativen nicht vernachlässigen, da in südafrikanischen Großstädten und im Ausland bereits Online-Nutzer und somit potentielle OA Interessenten leben, so De Beer.

J. De Beer: Open Access in South Africa: progress report http://berlin4.aei.mpg.de/presentations/De_Beer_OA06.pdf

 

In der Ukraine werden alle OA Aktivitäten von International Renaissance Foundation, im Rahmen des Projekt eIFL.net, umgesetzt. In den Jahren 2004-2006 erschienen Artikel über OA in Tageszeitungen und später auch über OA Journals und IR in intellektuellen Zeitschriften. Während einer Konferenz mit Teilnehmern aus 17 Ländern im Februar 2005, initiert u.a. vom OSI, entstanden Empfehlungen für die ukrainischen Behörden. Diese wurden vom damaligen ukrainischen Vice Prime Minister anerkannt und enthalten u.a. Forderungen nach freiem Zugang zu Informationen und Wissen für alle Bürger. In 2006 stehen die ukrainischen OA Förderer vor der Aufgabe den neu gewählten Vice Prime Minister von Ihren Richtlinien zu überzeugen.

I. Kuchma: Open Access Movement in Ukraine http://berlin4.aei.mpg.de/presentations/Kuchma_OA06.pdf

 

Indische Publikationen werden kaum zitiert, da die publizierenden indischen Fachzeitschriften wenig Auflagenstark sind und Publikationen im Ausland in kaum zitierten Fachzeitschriften erscheinen, so Herr Subbiah Arunachalam. Allerdings gibt es nur wenige kommerzielle indische Verlage, die Fachzeitschriften sind hauptsächlich in der öffentlichen Hand. Herr Arunachalam hofft, dass diese Tatsache die Einführung von OA erleichtert. Es gibt bereits 100 Fachjournale von 8 Forschungseinrichtungen welche Open Access veröffentlichen. Ein Journal der privaten Forschungseinrichtung MedKnow setzte sich an die Spitze, da darauf bis zu 1 Millionen Mal pro Jahr zugegriffen wurde. Allerdings haben selbst indische Bibliothekare, Wissenschaftler und Institutionen eine Abneigung gegen OA, da sie OA u. a. lediglich als billige Alternative zur bisherigen Veröffentlichungspraxis sehen und Copyrightübertretungen fürchten. Nach vielen Briefen an die zuständigen Regierungssprecher und einem Besuch von Dr. Alma Swan (Key Perspectives Ltd.) in 2006, denkt die Kommission für Wissen erstmals über eine Empfehlung, zur Förderung von OA, an die Regierung nach. Den indischen OA Verfechtern steht in den nächsten Jahren viel Überzeugungsarbeit bevor, die sie u. a. mit Hilfe von ausländischen Experten zu bewältigen suchen. 

S. Arunachalam: Open Access: current developments in India

http://berlin4.aei.mpg.de/presentations/Arunachalam_OA06.pdf

(IB)

 

Open Access Journals - Erfolgsgeschichten (31.03.2006)

E. Bodenschatz: New Journal of Physics: an open-access journal serving the whole physics community

berlin4.aei.mpg.de/presentations/Bodenschatz_OA06.pdf

Darstellung des momentanen Stands und der weiteren Perspektiven einer der erfolgreichsten Open Access-Zeitschriften (hoher Impaktfaktor, rapide steigende Leserzahlen, Ziel: Forum für die gesamte Physik).

 

U. Poeschl: Quality assurance and peer review in Open Access (leider noch nicht online).

Executive Editor von "Atmospheric Chemistry and Physics (ACP)" www.copernicus.org/EGU/acp/

Einsatz öffentlicher Peer Review zur Qualitätssicherung mit dem Ziel im Endprodukt eine maximale Informationsdichte zu erreichen. Schonung der Resourcen der Reviewer (und derer Institutionen): im Ergebnis nur 10 % abgelehnter Artikel bei gleichem Impakt wie vergleichbare Zeitschriften.

 

Open Access Journals - Übergangsmodell

R. Voss: Open Access publishing in particle physics

berlin4.aei.mpg.de/presentations/Voss_OA06.pdf

Konzept des CERN, um alle relevanten Zeitschriften zur Teilchenphysik sukzessive über ein entsprechendes Geschäftsmodell (Konsortium der einschlägig forschenden Einrichtungen) in Open Access zu überführen.

(rab)

Open Access: Learning from New Models (31.03.2006)

Living Reviews - Interessante Entwicklungen im Bereich elektronischer Veröffentlichungen. Der Artikel wird vom Autor immer auf den neuesten Stand gebracht. Die Referenzen sind im Artikel abrufbar. Bilder werden angepasst dargestellt, können aber bei Bedarf mit einem Mausklick vergrößert werden. Vor der Veröffentlichung des Artikels wird das klassische Peer Review Model angewandt.

P. Scherhaufer „Living Reviews“

http://www.ihs.ac.at/, http://www.livingreviews.org/

(IB)

Open Access Enabling New Science (30.3.2006)

Der Donnerstag Nachmittag war dem Thema "Open Access Enabling New Science" gewidmet. In vier Vorträgen wurde gezeigt, wie durch die Auswertung von Literatur und Daten neues Wissen geschaffen werden kann. Gerade die automatische Auswertung der Literatur, z.B. durch Text Mining, kann durch den fehlenden Zugang zu weiten Teilen der wissenschaftlichen Literatur ihr Potenzial nicht voll ausschöpfen.

 

In seinem Vortrag über NeuroCommons stellete John Wilbanks dar, wie durch Auswertung offener Literatur Wissen extrahiert werden soll. Dabei beleuchtete er auch die Frage des Urheberrechts an Daten.

 

Wolfgang Voges stellte den Umgang mit Daten in der Astronomie dar. Das Virtual Observatory, nicht nur als Datenbank sondern als kollaborative Arbeitsumgebung, stellt dabei einen Meilenstein in der Weiterentwicklung von wissenschaftlichen Arbeitsweisen dar. Astronomie und Astrophysik nehmen bereits seit Jahren eine Vorreiterrolle im offenen Zugang zu Literatur und Daten ein.

 

Lars Jensen zeigte in seinem Vortrag, wie durch Text Mining bestehende Wissensnetze kartiert werden können, um Informationen in der Literatur zu finden und die gefundenen Terme semantisch zu vernetzen. Wegen bestehender Zugangsbeschränkungen werden derzeit jedoch nur Titel und Abstracts ausgewertet. Er machte deutlich, dass hier viel mehr erreicht werden könnte, wenn wissenschaftliche Literatur offen zugänglich wäre. http://berlin4.aei.mpg.de/presentations/Jensen_OA06.pdf

 

Anna Weitzmann stellte das Projekt INOTAXA vor, in dem molekulare und phänotypische Klassifizierungen von Lebewesen integriert werden sollen. Besonders gelungen war ihre Darstellung, wie die bereits bestehenden Dienste und XML-Beschreibungsstandards in der Taxonomie als System zusammen spielen können. http://berlin4.aei.mpg.de/presentations/Weitzman_OA06.pdf

 

In den vier Vorträgen wurde deutlich, dass Open Access nicht nur Literatur betrifft, sondern auch Daten, da wir derzeit eine rasche Konvergenz von Literatur und Daten beobachten können.

(JK)

Erinnerung - Helmholtz Open Access Workshop

Im 1. Newsletter wiesen wir Sie bereits auf den Helmholtz Open Access Workshop im Juni hin und möchten Sie heute nochmals darauf aufmerksam machen.

 

Für Mitarbeiter der Helmholtz-Gemeinschaft, die in ihren Zentren mit dem Thema Open Access befasst sind, oder sich für dieses interessieren, bietet das Helmholtz Open Access Projekt im Juni 2006 einen Workshop an.

 

Themen des Workshops sind:

  • Beschaffung und Aufbereitung von Inhalten für die elektronische Zweitveröffentlichung
  • Autorenverträge und andere rechtliche Fragen
  • Workflows für Institutionelle Repositorien
  • Aufbau von OAI-Servern und Harvestern (bei Bedarf)

Das Programm kann im Detail noch nach den Bedürfnissen der Teilnehmer modifiziert werden.

 

Termin: 21.06.2006 mittags bis 22.06.2006 mittags

 

Ort: GeoForschungsZentrum Potsdam, Hörsaalgebäude

 

Wichtig!

Zu dieser Zeit findet die Fußball-WM statt. Aus diesem Grund ist es im Juni 2006 im Raum Berlin schwierig Hotelzimmer zu buchen. Um Ihnen eine günstige Unterbringung in einem Hotel reservieren zu können, bitten wir Sie, sich bis zum 31.5.2006 verbindlich bei uns anzumelden.

 

Bitte senden Sie das Anmeldeformular an ines.boettcher@awi.de.

Archiv

Die 1 Ausgabe des Newsletters vom 02.03. 2006 -

Die 2 Ausgabe des Newsletters vom 21.03. 2006 -

Die 3 Ausgabe des Newsletters vom 04.04. 2006

- finden Sie im Archiv.

Impressum

Der Helmholtz Open Access Newsletter wird herausgegeben durch das Helmholtz Open Access Projekt.

Redaktion: Dr. Jens Klump und Ines Böttcher.

Kontakt:

Falls Sie diesen Newsletter nicht mehr erhalten wollen, schreiben sie bitte an ines.boettcher@awi.de.

Copyright

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